“im seichten kann man nicht ertrinken” (h. thoma)

“im seichten kann man nicht ertrinken” (h. thoma) – Tuesday, January 06, 2009

werte leser! heute im programm: fernsehen, doofheit, werbung. alles in einem!

ich moechte vorab eins sagen, dieser punkt ist ein bisschen tricky. im tv (vor allem in den boulevardsendungen, die die mittagszeit von morgens bis fruehabends sehr weitgehend rahmen) kriegen wir staendig menschen praesentiert, die uns ganz schoen daemlich vorkommen. ob die das tatsaechlich sind oder ihnen nur die gabe der selbstpraesentation im kampf mit dem medium tv und seinen machern fehlt, sei erstmal dahin gestellt. wenn wir von medien und programmen mit niedriger (oder gar nicht vorhandener) intellektueller zugangsschwelle berieselt werden, ist es nur normal, dass wir uns im vergleich mit den dort gezeigten artgenossen superduperextraintelligent vorkommen. ein fast klassisches us vs them, hier in form des vergleichs idioten (die) mit superschlau (mir). klar mache ich bei mir keine ausnahme – ich bin auch superschlau! bloss beim trivial pursuit spielen bin ich ein ziemlicher versager. vor allem bei den erdkunde-fragen. da wuerd ich nicht gern bei gefilmt werden! dabei ist gerade daran ein anderer schuld: der rolle koch naemlich. der hat es damals verbockt, als ich in vollem vertrauen in eine staatliche,humanistische ausbildung das oeffentliche gymnasium besuchte. bei uns gab es erdkunde nur in der 5. und 6. klasse. dann gab’s ein halbes jahr physik, gefolgt von einem halben jahr altgriechisch (unterrichtet vom mathelehrer). alpha, beta, gamma, delta, epsilon… ab da nur noch lueckenhaft. erdkunde gab es dann wieder in der 11. klasse – als wahlpflichtfach. ich hab informatik gewaehlt und weiss deswegen heute ganz viele sachen nicht, die andere gemeinerweise als allgemeinbildung bezeichnen. so ist das halt, wenn die schulen nicht mal kohle fuer klopapier haben! aber ich weiss ja immernoch mehr als die im fernsehen. also, mehr als die in den dokusoaps. und solange ich mich schlauer fuehle als die, muss ich ja schlau sein. wa?

zusammengefasst (es gibt ja leute, denen meine blogs “zu lang” sind – you know who you are): die kommen doof rueber, wir finden die doof. die finden sich nicht doof. und wir uns selbst eh nicht. das muss doch logisch gefolgert und knallhart schwarz-weiss betrachtet bedeuten, dass wir alle doof sind und es nur nicht wahrhaben wollen, weil es immer noch doefere leute gibt. quod erat demonstrandum!

aber nun mal zur werbung, dem wirklich spannenden und programmhaft innovativeren teils des fernsehens! heute mit: cillit bang! beim schreiben faellt mir auf, dass ich in letzter zeit keine cillit bang werbung mehr gesehen habe. oder ich bin endgueltig immunisiert. wer weiss. a propos, ist euch mal aufgefallen, was fuer ein eingefroren-verzerrtes gesicht die alte hat? ist das ein reinigungsmittel oder ein schraeges erfrischungsgetraenk? ich schweife ab. was ich mich schon immer gefragt habe: wie zur hoelle kommen die reinigungsmittelvertreter immer (auch noch zum richtigen zeitpunkt! und mit eingefrorenem laecheln! und immer vormittags, wenn hausfrau putzt und nebenbei die glotze laeuft!) ins haus der schauspueler? das ist doch verrueckt!! und nur am rande, ich haette nix dagegen, wenn die mal bei mir vorbei kaemen. grosser, starker herr clit bang! mein teppich hat einen fleck! ich bin hilflos, ueberfordert und blond! rette mich!
dass die vorwerk-vertreter nicht in mein ghetto kommen werden, habe ich mittlerweile uebrigens akzeptiert. leicht war es nicht.

es soll aber noch besser kommen. eine ganz besondere kreativschmiede sind die werbeagenturen der kosmetikindustrie, namentlich hauptsaechlich jene von l’oreal und tochterunternehmen. von den zahlreichen beispielen grenzenloser schoepfungskraft finde ich garnier nutrisse mit pflegendem anti-stroh-effekt mit am schoensten! vor allem die illustration besagten effekts: die olle geht demonstrativ an ihrem trockengesteck (stroh!) vorbei. gut, dass werbespots so kurz sind und im paket auftauchen. so vergisst man leichter, fuer wie dumm man verkauft wird, um zu kaufen. bei genauerem hinsehen draengt sich jedoch die hypothese auf, dass kosmetikhersteller aus einem scheinbar schon erschoepften fundus schoepfen – nur so laesst sich erklaeren, warum die produkte nun ueber “anti-müdigkeits-pigmente”, “anti-stroh-effekt” oder “aktiv-mikro-glätter” verfügen. versucht einfach mal, euch das vorzustellen. was macht so ein zeug, dass ich nicht mehr muede bin? schlaeft meine haut heimlich weiter, waehrend ich schon arbeite?

auch gut finde ich bezeichnungen, die entweder ganz erfunden sind, nur einen teil der produkte beschreiben oder einfach nur gut klingen sollen. unter den klassikern befinden sich die carmagnola-minze, die piemont-kirsche (gibt es, aber es wird nicht nur die verwendet! so viele kirschen gibt es in piemont nicht!), oder die beruehmten byzantiner königsnüsse (bei denen unklar ist, ob sie mythos oder realität sind. ihr name jedenfalls weckt nicht nur bei mir themenfremde assoziationen). anyhoo.

interessanter wird es da schon, wenn die werbung ihren fokus auf die wissenschaftliche innovativität ihres produktes legt: neu! mit zinkpyrithion! toll gegen schuppen! dass ein konkurrent es schon seit 1961 verwendet (quelle), interessiert doch nicht! prima finde ich auch hyaluronsaeure. damit wir wissen, was wir da erzaehlt bekommen, sehen wir das wort in der werbung ausgeschrieben ueber den fernsehschirm flackern. guckt mal in wikipedia…. hyaluronsaeure, bei aller legitimität, die sie bestimmt auch in der kosmetikindustrie hat, ist vor allem gelenkschmiere. oder wasserbinder. was ich mir dafuer fuer das produkt vorstellen muss, mag ich mir gar nicht ausmalen. wrrrrr. aber damit nicht genug! in meinem shampoo ist expansyl. hum, hum… was das wohl sein mag? richtig! ein haarvolumenexpander! kreativ und auf den punkt! nur… expansyl gehoert l’oreal (dem schoepfer nahezu saemtlicher absurder namenskreationen) und es gibt nirgends aufschluss darueber, was das eigentlich ist! nun denn! ich dachte auch, das liesse sich nicht mehr toppen, doch dann warf ich einen blick auf meine haarspuelung. und siehe da, die verfuegt sogar ueber einen “uv- + wasser-schutz*”. ein blick auf das * verrät, dass es sich dabei um “wirkstoffe für uv- und wasser-schutz” handelt. no kiddin!

natuerlich beschraenken sich solche kreationen nicht auf o.g. industrien. kennt ihr noch die digestivum essensis-kulturen von activia? die sind ein patent von danone. deswegen haben die auch keinen aerger bekommen, als sie diese dann doch lieber in werbewirksamere acti regularis-kulturen umbenannt haben. find ich auch viel besser, weil im neuen namen weniger verdauung (nicht sehr appetitlich!) und mehr nähe zum produktnamen, also wiedererkennung, drin ist. gut gemacht, danone!

heute schliesse ich mit einem meiner lieblingszitate ueber werbung (von denen es nun wirklich reichlich grandiose gibt!):

“Or pour qu’un message publicitaire soit perçu, il faut que le cerveau du téléspectateur soit disponible. Nos émissions ont pour vocation de le rendre disponible : c’est-à-dire de le divertir, de le détendre pour le préparer entre deux messages. Ce que nous vendons à Coca-Cola, c’est du temps de cerveau humain disponible.”

was patrick le lay uns damit sagen will, ist folgendes: das hirn muss fuer werbung empfaenglich gemacht werden, dafuer wird es im fernsehprogramm entspannt und unterhalten. wir verkaufen coca-cola zeit des verfuegbaren menschlichengehirns! noch fragen zur niedrigen zugangsschwelle? dacht ich mir 

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