Frau Lotte bei Agentur Schiessmichtot

Frau Lotte und die seriöse Welt, Teil II: zu Besuch bei Agentur Schiessmichtot

es war also so weit, das erste vorstellungsgespräch rueckte naeher. was war ich aufgeregt! die ganze website habe ich verinnerlicht, mitsamt aller presse-meldungen und berichte, die der laden in den letzten jahren veröffentlicht hat. herrje, ich wusste sogar, auf welches klimaneutrale papier sie drucken!

einen halben tag habe ich gebraucht, dann saß jedes detail: der frischblondierte, aalglatte seitenscheitel, das dezenteste make-up der welt, bluse, anzug, schuhe. nur mein skater-gürtel, gut versteckt unter meiner anzugsjacke, erinnerte an vergangene tage. kinder, ich sah echt seriös und kompetent aus.

das gebäude, in dem die agentur residiert, ist topmodern und topsicher. alles top quasi! am empfang vorsprechen, bitte, dann schaltet der portier den aufzug frei. wowers! nach einem freundlichen empfang holte mich der personaler auch schon ab. im anzug, zugeknöpft und insgesamt sehr klassisch. ich war also kein stück overdressed, aber auch nicht sicher, ob ich das gut finden sollte. er erzählte, ich erzählte… die quintessenz: alles in allem ein sehr unentspanntes gespräch, was ich vor allem dem umstand zuschreibe, dass er mich immer wieder mit “frau xxx” anredete. frau xxx ist mei muddi, ey! daran habe ich mich auch jetzt noch nicht gewöhnt, obwohl die zahl derer, die mich so nennen, zunimmt.

eine woche später war dann die betahaus-party, bei der ich mich fuer bardienste angeboten hatte. da stand ich nun in minirock, cowboystiefeln, tanktop, knallrotem lippenstift und wallendem haar, und gab im akkord getränke aus. auf einmal steht ein typ vor mir und grinst mich an, so von ohr zu ohr. ich kriege augenblicklich eine panikattacke, denke, den kenn ich irgendwoher. ich bediene ihn, bediene den nächsten und den uebernächsten, und da packt es mich: das war der personaler von agentur schiessmichtot! ja, und ehrlich, da haett ich an seiner stelle auch breit gegrinst – er hat mich ja komplett gegenteilig kennengelernt, so tagsüber und seriös. eine sehr surreale begegnung!

jedenfalls sucht sich agentur schiessmichtot ihre bewerber akribischst aus. erst gibt es ein vorstellungsgespraech, und wenn man dann unter den tollsten acht bewerbern von ca. 400 ist, wird man zum assessment center eingeladen. und, tadaa, ich hatte tatsächlich die ehre. das hat mich schon ein bisschen stolz gemacht. schon im ersten gespräch, bei dem der personaler mich eine stunde lang genüsslich grillte, kündigte er an, sich die “wirklich fiesen fragen”
(o-ton!) fuer das zweite gespräch zu bewahren – dieses war ja nur ein entspanntes erstes kennenlernen. jup, da war sie wieder, die panik.

das assessment hat mich dann bestätigt, dass diese agentur nicht meine ist. interessant war aber, dass ein paar der bewerber sich regelmässig in verschiedenen staedten deutschlands bei assessments wiedertreffen, weil sie sich zufällig auf dieselben jobs beworben haben. das finde ich irgendwie sick.

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