Frau Lotte bei Agentur Arbeitedichtot

Frau Lotte bei Agentur Arbeitedichtot

Meine Eltern haben wohl etwas richtig gemacht, denn ich glaube in hohem Maße an meine Fähigkeiten (frisch wiedererlerntes Skill: Groß- und Kleinschreibung). Trotzdem habe ich mich der Wirtschaftslage angepasst und mich prophylaktisch gleich bei einer guten Handvoll Agenturen beworben. Das ist wie im Lotto, die Chancen steigen oder eben auch …nicht. Eine Handvoll ist übrigens immernoch wenig, habe ich mir sagen lassen. Manchmal waren sogar (Aus)Lacher involviert. Gemein! Aber die Quote ist mit mir, immerhin wurde ich oft genug eingeladen, um meine mittlerweile famosen Selbstdarstellungs-Skills zu erweitern und mir ein vages Bild davon zu machen, wie es in der Branche zugeht.

Als Agentur Arbeitedichtot anrief, habe ich mich gefreut – auch, weil ich gar nicht mehr mit ihnen rechnete, waren doch seit meiner Bewerbung schon zwei Monate ins Land gezogen. Sie luden mich also ein. Cool. Dann mussten sie den Termin verschieben. Von mir aus, ich bin ja flexibel. Dann mussten sie den Termin am Tag des Gesprächs nochmal verschieben. Das fand ich schon ein bisschen unorganisiert. Zum eigentlichen Termin erschien ich aber trotzdem – wie stets tiptop zurechtgemacht, bestens vorbereitet und natürlich überpünktlich. Nach einem freundlichen Empfang liess man mich erstmal 30 Minuten in der Lobby sitzen.

Dann holte mich die Sekretärin zum Termin ab, statt wie angekündigt die Geschäftsführerin mitsamt Abteilungsleiter. Die Sekretärin war aber sehr nett, und ich bin ja auch ganz nett und unkompliziert und habe das deswegen so hingenommen, zumal mir die Chefin noch in ihrer Leibhaftigkeit versprochen wurde. Die Sekretärin entschuldigte erstmal den abwesenden Abteilungsleiter, der sei krank. Die Chefin kam dann aber nach weiteren 20 Minuten – eine latent einschüchternde Erscheinung, die mich direkt auf den Führungsstil in der Bude schliessen liess. Auch sie entschuldigte die Abwesenheit des Abteilungsleiters, ein wichtiger Termin sei ihm dazwischengekommen. Oh!

Wer jetzt schon voreilige Schlüsse gezogen hat, wird wenig überrascht sein: Nach und nach kamen weitere fiese Fakten ans Tageslicht. Ein im Branchenvergleich eher mieses Gehalt wurde mir als sehr grosszügig verkauft. Hey, ich bin Berufsanfänger, wat weiss ich schon! Aber  sie erwarten ja auch viel, deswegen zahlen sie so viel. Sagten die ganz ohne rot zu werden. Und weil sie so viel erwarten und so viel anspruchsvolle Arbeit für alle da ist, können die Volontäre im Rahmen ihres Volontariats leider keine Fortbildungen besuchen – das nennt sich dann modern “training on the job” und heisst: Spring ins kalte Wasser und schwimm. Am besten 12 stunden lang. Nice. CSR ist doch dieser Tag, an dem die Homosexuellen tanzen gehen, oder?

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