Wahlkampf auf dem Präsentierteller

Es geht um Brandenburg. Das erfährt jene kleine Gruppe Internet-User, die http://www.matthias-platzeck.de ansurft (wer wissen will, welche Leute sich gemeinhin auf Politiker-Webseiten tummeln, kann das hier zusammengefasst nachlesen).

Wenn es also um Brandenburg geht, ist der Ministerpräsident am Start. Folglich natürlich auch, wenn der Berliner Kurier ein Brandenburg Spezial herausbringt: Da ist Matthias Platzeck als Reiseführer durch das Oder-Spree-Gebiet die unangezweifelte Kompetenz. Ganz nebenbei befinden wir uns ja auch im Wahlkampf (am 27. September ist auch Landtagswahl in Brandenburg), da kann auch ein bisschen Berichterstattung und symbolische Volksnähe nicht schaden. Gerade die Volksnähe ist jetzt wichtig, nachdem Platzecks Parteigenossin Ulla Schmidt sich mit ihrer unwirtschaftlichen Dienstwagen-Reise in einer selbst für die SPD neuen Dimension volksentfremdet zeigte (Ulla/Hola, wir erinnern uns fix an die grandiose Sixt-Kampagne mit Ulla Schmidt als Testimonial wider Willen).

Jedenfalls soll Matze Platze es richten, aber ob das Bild auf dem Cover des Brandenburg Spezials, wo er auf einem Elektro-Segway-Roller durch das brandenburgische Grün düst, Jubel und Begeisterung auslöst?

Ich kann mich immernoch nicht entscheiden, ob ich das sympathisch oder voll schräg finden soll. Mut hat er jedenfalls. In jedem Fall macht Herr Platzeck auf dem Segway-Roller aber eine wesentlich bessere Figur als die neue Gallionsfigur der CSU, Herr Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, im Basketball-Trikot. Eigentlich braucht man das Foto davon gar nicht zu sehen – ich finde ja, es reicht schon, seinen Namen im Zusammenhang mit “Basketball-Trikot” zu lesen, um sich eine präzise Vorstellung dieser quasi-absurden Situation zu machen. Aber ich will es euch nicht vorenthalten:

Neben Dirk Nowitzki sieht er nicht nur klein aus (jaja, neben dem sind wir alle klein!), sondern vor allem fehl am Platz. Authentizität und Glaubwürdigkeit, die hohen Güter der Politikdarstellung, gehören für meine Begriffe ohnehin nicht zur Ausstattung des “Shooting Stars”. Mehr fader Beigeschmack entsteht durch Jeans und Basketball-Leibchen, die seine stocksteife Haltung auch nicht auflockern. Ich glaube fast, er wünscht sich, woanders zu sein. Beim Champagnerempfang der Parteispender vielleicht? Ach Kalle. Wir werden keine Freunde, auch wenn Du neben dem Dirk stehst, der eigentlich ein toller Typ zu sein scheint.

Comments
7 Responses to “Wahlkampf auf dem Präsentierteller”
  1. Wolfgang Wüst says:

    Die Sozis haben schon wieder in die Scheiße gelangt. Während der Hörgestürzte mit diesem eigenartig modernistischen Segway durch die Gegend düst (bzw. auf dem schäbigen Foto einen solchen Eindruck zu erwecken versucht), müssen ostzonale RentnerInnenInnen den Rollator durch die ausgestorbene Landschaft zur Wahlkabine schieben.

    Das ist doch wie bei Ulla: Die da oben werden in der S-Klasse echauffiert, wir im Staub sollen Smart fahren.

    Sie lernen es nie.

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  2. lotterrr says:

    Herr Wüst, ich finde auch, Smart fahren ist eine Frechheit, eine Zumutung der fiesesten Art gar! Dann echt lieber einen sexy Segway.

    Übrigens, jetzt sehe ich es auch: Herr P. schaut nicht ganz entspannt.

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  3. Wolfgang Wüst says:

    Frau Lotterrrrrrrrr, nichts gegen mein Bobbycar! Nicht nur kann man damit ganz hervorragend einparken (jedenfalls mit Y-Chromosom an der entscheidenden Stelle), man erregt auch keinen Neid.

    Wie ich der Qualitätspresse entnehme, fackelt das Lumpenproletariat in Bählin öfters mal Zahnarztautos ab. Dies verhindert man sicher durch die raffinierte Nutzung eines Kleinstfahrzeugs, das bei H4-pflichtigen Humoiden entweder Mitleid oder Sympathie auslöst.

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  4. lotterrr says:

    Herr Wüst, schon gewusst? Der Bobby Car ist ein beliebtes Fahrzeug nicht nur für Zahnärzte. Was war wohl MdEP Herbert Reuls Rolle bei der Bobby Car Challenge 2006 in Leichlingen? http://tinyurl.com/ct5t2t

    Lumpenproletariat? H4-pflichtige Humoiden? ICH BIN ERSCHÜTTERT!

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  5. Wolfgang Wüst says:

    Ich auch. Weil ich eigentlich ‘Humanoiden’ schreiben wollte, aber zu aufgeregt war.

    Über Ihr Weltbild sollten wir auf anderen Kanälen kommunizieren.

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  6. lotterrr says:

    Was stimmt denn mit meinem Weltbild nicht?

    Humoiden find ich super, das klingt nach Hautwucherung oder kleinen Tierchen. Äh, ja.

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  7. Wolfgang Wüst says:

    http://humoid.com ist käuflich zu erwerben, bei dem Weg. Sie denken bestimmt, die bekommt man in einfachen Fällen von Juckreiz mit Cremes weg. No big deal und so. Weit gefehlt.

    Humoide gehören vielmehr zur Gruppe der Alkoide und bewirken allerlei Halluzonen. Ich möchte wetten, The Bambi wirft sich gerade einen asiatischen Pilz voller Humoide ein und ist happy.

    Da fällt mir ein: Unser Bundesveidungsminster, der Winzersohn, vernuschelt auch immer ganze Sätze. Statt “beispielsweise” sagt er immer “Beispeise”. Achten Sie mal drauf.

    Ergebenst: WW

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