Hands on am Schweinekiefer

Für mich war Zahnmedizin und -technik schon immer ein großes Thema. Zudem habe ich einen tollen Zahnarzt, der mich auch in schlimmen Schmerzmomenten immer vorbildlich behandelt und bespaßt hat. Mein Zahnarzt ist hochkompetent und kennt tolle Zahnarztsprüche. Er kann mir nicht nur erklären, wie absurdeste chemische Verbindungen eine optimale Fissurenversiegelung gewährleisten, sondern tröstet mich auch beim Anblick der Betäubungsspritze einfühlsam: “Das drückt jetzt ein bisschen – wie wenn die 7 Zwerge auf der Spritze stünden”.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich gehe gern zum Zahnarzt, denn ich weiss, dass ich da gut aufgehoben bin. Die hohe Verbreitung von Zahnarzt- bzw. – korrekter ausgedrückt – Behandlungsphobie kann ich nicht verstehen. Dass das aber offensichtlich ein Thema ist, lassen zahlreiche Publikationen zum Thema Praxismarketing sowie Zahnarztpraxis-Außenwerbung vermuten. Anscheinend werden die von der Praxisgebühr befreiten zwei Kontrollen pro Jahr nur selten wahrgenommen, ganz zu schweigen von all jenen Patienten, die lieber Antibiotika gegen die Entzündung nehmen, als sich den Zahn reparieren zu lassen. Anyhoo, I digress.

Auslöser für diesen Eintrag ist übrigens diese Kommunikationsmaßnahme:

Zugegeben, Q117 ist ein catchy Name – und prägt direkt die Adresse mit ein. Das Motiv allerdings erinnert mich eher an jene Helden meiner Jugend:

Ich muss gestehen, dass ich bei aller Faszination für Werbung Arztwerbung skeptisch gegenüberstehe. Schliesslich erwarte ich keine bunten Plakate mit kessen Sprüchen, sondern höchste Kompetenz und ausgereifte Professionalität. Andererseits kann ich beim Googlen oft nur jene Praxen finden, die über eine Website und eine Suchmaschinenoptimierung verfügen. Und die haben wiederum entweder webaffine Zahnärzte oder eben solche, die sich professionell beraten lassen.

Aber statt euch mit Werbemaßnahmen für Zahnärzte zu langweilen (wobei einige echt fein sind: Zahnseidenspender in Visitenkartenformat zum Beispiel), gehen wir fix zum nächsten Tagesordnungspunkt über: Die Deckenbilder im Behandlungsraum. Ganz ehrlich, ich möchte nicht Zahnarzt sein und mir überlegen, welches Bild ich all meinen Patienten – oftmals noch in schmerzengepeinigten Momenten – zumuten kann. Das macht aber die Tatsache, dass diese Bilder oft eine zusätzliche Qual darstellen, nicht besser. Ich möchte an dieser Stelle einen Vorschlag zur Güte abgeben:

Das hält eine Weile beschäftigt. Für alle Kulturbanausen: Es handelt sich hierbei übrigens um einen Bildausschnitt aus einem “Wo ist Walter”-Suchbild aus dem berühmten (Kinder-?)Buch “Walters wilde Abenteuer”.

Zuletzt noch etwas, das ich unmöglich für mich behalten kann: Da ich beruflich regelmäßig mit zahnmedizinischen Fachzeitschriften in Berührung komme, lerne ich viele spannende Dinge: Es ist ein alter Hut, dass Tätowieranfänger auf Schweinehaut lernen. Obwohl plausibel, habe ich mit einiger Überraschung festgestellt, dass es eine analoge Fortbildungsmaßnahme für Zahnärzte gibt: Hands on am Schweinekiefer. Da kann man spannende Dinge wie Implantatsysteme kennenlernen, seine Nahttechniken perfektionieren oder Lappendesigner werden.

Auch toll sind Fortbildungs-DVDs mit Live-OPs (das Konzept von “live” ist bekanntlich mediengeschuldet dehnbar). Die haben dann Titel wie “Periimplantäre Entzündungen”, “Ökologie der Mundhöhle” oder “Frontzahnimplantat mit Alveolarkammextension, Bindegewebstransplantat und Rotationslappen”. Der nächste Videoabend kommt – ach ja, bringt doch bitte was zu essen mit ;)

Comments
2 Responses to “Hands on am Schweinekiefer”
  1. Wolfgang Wüst says:

    Was macht denn dieser FDP-Tag da? Hängt das damit zusammen, daß diese Partei (“Füll’ Dein Portemonnaie”) einen Marktanteil von etwa 130% bei der bohrenden Zunft hat? Soll hier eine Minderheit diskriminiert werden?

    Wir werden das demnächst ausdiskutieren.

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  2. lotterrr says:

    Gut gesehen! Nein, natürlich nicht (doch!). Ich weise nur die Mehrheit der bohrenden Zunft (Zunft?!!! Nunja) auf die enorme Bedeutung qualitativen Praxismarketings hin – das geht prima via FDP-Tag!

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