My telly, my love

Heute: Doku-Soaps!

Habt ihr euch auch schon gefragt, wie zur Hölle TV-Produktionen wie z. B. jene von “Mitten im Leben” immer wieder die Crème de la Crème Deutschlands als Protagonisten aufspüren, gewinnen und verpflichten? Ich kam nicht umhin, diese außergewöhnlichen Charaktere zu bemerken, und ich bin vom Fernsehen wirklich einiges gewohnt. Mag sein, dass es moralisch unrecht ist, sich über das Elend anderer auszulassen, aber das schiere Ausmaß an mangelnder (Aus-)Bildung, Körperpflege, geistiger Reife – an simplem Menschenverstand sogar – erschüttert mich immer wieder aufs Neue. Was also schreibt man in eine solche Ausschreibung, damit würdige Entertainer sich erhobenen Hauptes bewerben? Wir wissen, keiner hält sich für doof. Auch Doofe nicht. Ich schlage vor:

“Aufklärung ohne Grenzen: Tätigkeit in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Reputationsmanagement

Sie zeichnen sich durch eine besondere Geschichte aus? Sie möchten Ihren Mitmenschen zeigen, wie Sie die Schwierigkeiten Ihres Alltags bewältigen?

Dazu sind Sie unkonventionell eingestellt in Erziehungs-, Bildungs-, Arbeits-, Styling- und Ernährungsfragen. Idealerweise haben Sie bereits erste Erfahrungen mit dem Job-Center, der Polizei oder dem Jugendamt gemacht.

Dann suchen wir Sie! Wir dokumentieren Ihre erfahrungsfundierte Aufklärungskampagne. Als zeitgemäßer Stellenanbieter legen wir weniger Wert auf eine klassische Bewerbung als auf ein persönliches Statement. Schicken Sie uns anstelle von Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen Ihr aussagekräftiges Homevideo, in dem Sie sich und Ihre Familie vorstellen. Und die Nachbarn, den Sachbearbeiter im Job-Center sowie all jene, die sie abzocken, schwängern oder umbringen wollen.”

Im Original – eine kurze Recherche war da sehr ergiebig – sieht so eine Ausschreibung übrigens so aus:

“Protagonisten für “Mitten im Leben” gesucht
Die besten Geschichten erzählt das Leben selbst…

Für die Sendung „Mitten im Leben“ (RTL) suchen wir offene Menschen mit außergewöhnlichen (Lebens-, Liebes-, Leidens- oder Alltags-)Geschichten, die den Mut haben darüber zu sprechen und Einblicke in ihr Leben zu geben.

Sie möchten Ihre persönliche Geschichte im Fernsehen erzählen und uns zeigen, wie Sie mit extremen, schwierigen, ungewöhnlichen oder skurrilen Lebensumständen zurechtkommen, dann bewerben Sie sich bei uns!”

Kurz, knackig, ehrlich. Und im Nachhinein behaupten, RTL habe einen doof dargestellt, ist auch unangebracht – schliesslich hat jeder die Möglichkeit, sich diese fabelhafte Sendung mit ihren unglaublichen Portraits scheiternder, gescheiterter oder sonstwie gebeutelter Existenzen im Vorfeld anzusehen, unter anderem auch online!

In einer mir bekannten Werbeagentur ist diese Online-Bereitstellung übrigens Garant für hochharmonische Mittagspausen. What can I say? In diesem Zusammenhang möchte ich euch auch gern noch eine wichtige Anregung mitgeben, die mir mein lieber Ex-Praktikant in vorwurfsvollem Ton gemacht hat:

“Du weisst aber schon, dass man es Unterschichtenfernsehen nennt, weil es die Zielgruppe bezeichnet, und nicht, weil darin Unterschichten gezeigt werden?”

Herr F., Sie werden vermisst!

Alles rund um den Switch zu Laiendarstellern, dem Castingprozedere und den findigen Geschichtenschreibern dann in den nächsten Beiträgen. Es bleibt spannend!

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