“Model, Schauspielerin, Sängerin, Moderatorin!” – und Plan B!

Wir wissen mittlerweile, dass wir der Generation Doof angehören. Wir sind wohlbehütet aufgewachsen, mussten nie hungern und haben in der Regel von unseren Eltern bekommen, was wir wollten. Wir sind Luxuskinder, die den “Ernst des Lebens” (ein von Eltern und Großeltern gern gebrauchter Term) nie kennengelernt haben.

Wir sind dumm und faul und denken immernoch, dass uns die Welt gehört. Richtige Arbeit ist uns auch nix. Also, dieses Vollzeit-Ding. Wie das schon klingt: Vollzeit. Geht nicht, wir brauchen Freizeit, denn wir sind enorm beschäftigt mit uns selbst und den schönen Dingen des Lebens. Und weil wir von klein auf eingeschärft bekommen haben, dass wir die schlauesten, tollsten, talentiertesten und natürlich schönsten Kids sind, glauben wir, zu Höherem geboren zu sein als zu einem Leben als [blöden Job hier einsetzen].

Deswegen lautet ein klassischer Berufswunsch unserer Generation “Model, Sängerin, Moderatorin oder Schauspielerin” – richtig, ein Berufswunsch. Glücklicherweise gibt es Karrieresprungbretter in Form zahlloser Castingshows, die uns Reichtum, Ruhm und Ehre sowie die Rettung vor Hartz IV versprechen (eine Ausbildung haben wir nicht, schliesslich sind wir naturschlau).

Und wenn es dann nicht klappt, bewerben wir uns nochmal. Und nochmal. Irgendwann reicht unsere Misere dann vielleicht für einen Beitrag bei “Mitten im Leben” oder “We are Family”, weil unser erbärmliches Dasein nun selbst dem Fernsehen bemitleidenswert unterhaltsam erscheint.

Falls aber dennoch alles nichts wird, besteht Hoffnung. Ein (nicht mehr ganz so) neues Gesetz macht es möglich! Ruhm und Ehre sind zwar nicht inklusive, dafür aber ein bisschen Reichtum. Ganz wie beim Popstar-Dasein via Casting-Shows handelt es sich um keine gewöhnliche Arbeit – allerdings um Arbeit. Das Gute: Eine Ausbildung ist auch hier nicht zwingend notwendig. Was ist das also für ein Job und wo kann man sich bewerben?

Bewerben kann man sich bei jenen Unternehmen, die in ihrer Stellen-ausschreibung Diskriminierungsmerkmale aufweisen. Zum Beispiel bei solchen, die eine “junge, dynamische Kellnerin” suchen. Laut Antidiskriminierungsgesetz (AGG) sollen “Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen” sein (Vgl. §1). Wir folgern: jung = Alter, dynamisch = Behinderung, Kellnerin = Geschlecht; ergo: Volltreffer!

Die Jobbeschreibung des professionellen AGG-Hoppers lautet wie folgt: “Geldmacher, die Stellenausschreibungen gezielt auf AGG-Verstöße absuchen, sich pro forma bewerben und nach einer (AGG-widrigen, Anm. Lotterrr) Ablehnung postwendend Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern verlangen”, plus gegebenenfalls Schmerzensgeld. Klingt doch prima!

Doch Achtung! Für Entschädigungsansprüche kommt nur in Frage, wer eine “materiell zu bestimmende objektive Eignung” für den Posten hat. Und vollständige Unterlagen liefert. Eine regelrechte Gratwanderung, die durchaus in Arbeit ausartet! So erklärt sich auch, dass die einst befürchtete Klagewelle mit Ausnahme vielklagender Einzelfälle ausblieb.

Eine Liste an Indizien, die AGG-Hopper enttarnen helfen soll, gibt es hier:
http://www.agg-schulung.info/html/agg-hopper.html
Ein Archiv mit Urteilen rund um AGG-Mißbrauch gibt es hier:
http://www.agg-hopping.de/urteile.html
Das vollständige Gesetz gibt es hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/agg

Die gute Nachricht: Das Hopper-Archiv, das zur Identifikation von Mehrfachklägern angelegt wurde und sich gern als “Warndatei” bezeichnet, ist unzulässig – offiziell werden die Hopper-Daten also nicht mehr weitergegeben.

So denn, Generation Saudoof. Alles ist irgendwie Arbeit. Wie ätzend!

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2 Responses to ““Model, Schauspielerin, Sängerin, Moderatorin!” – und Plan B!”
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  1. […] und Schauspielern zu untalentiert, zum Moderieren zu sprachbehindert und für ordentliche Berufe zu blöd oder zu faul (oder beides) sind, wir uns aber trotzdem nicht einer Zukunft als Schafhirte (wir erinnern uns: […]

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  2. […] Sex sells war da glaube ich dein Argument für die Frauenquote (noch ein kostenloser Rat am Rande: Obacht vor AGG-Hoppern, wenn du solche Stellen ausrufst!). Ein Bikinifoto reiche ich gern nach, aber so viel vorab: Ich […]

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