Exit Barleber for Spätbier

Eigentlich hatte ich nicht geplant, von meinem Roadtrip über die Feiertage zu berichten. Da wir uns jedoch diesmal größtenteils in moralisch und legal gesichertem Rahmen befinden, komprimiere ich euch nachfolgend the Düsseldorf experience:

Das alljährliche Weihnachtskonzert der toten Hosen interessiert mich eigentlich nicht mehr besonders, seit ich meinen Teenagertagen entwachsen bin. Dieses Jahr sollte es anders sein: Die fabelhaften Radio Dead Ones aus Berlin waren eingeladen, eins der vier ausverkauften Konzerte im Düsseldorfer ISS DOME für die toten Hosen zu eröffnen. Eine gute Gelegenheit für ein bisschen Roadtripping und Rock’n’Roll, bevor die immer hochentspannte und besinnliche Zeit mit der Familie losbricht.

So brachen wir (wie so oft) recht knapp getimed nach Düsseldorf auf. Die ein oder andere Erkenntnis einer inspirierenden Fahrt mit der besten Beifahrerin der Welt möchte ich euch an dieser Stelle mitgeben. Wie ihr wisst ist mein Humor so flach, dass ich mich über lustige Ortsnamen länger als nötig amüsieren kann. Ein Highlight auf der Strecke war hierbei ein Ort namens Möser – vor allem auch deswegen, weil Herr Lindemann ziemlich zeitgleich aus den Boxen rief: “(…) I have a dickkkkker”. Ja, wir sind so pubertär. Wir fahren ja auch zum Hosen-Konzert. Die Ausfahrt Barleber brachte zwar keine neue Erkenntnis über unseren Organzustand (Barleber? Check!), warf aber die Frage auf, wann im Leben der richtige Zeitpunkt für eine Blutwäsche gekommen ist. Bei Lemmy war es ja bekanntlich vergleichsweise schnell zu spät. Wie sollen wir also wissen, wann es bei uns so weit ist? Für Hinweise bin ich wie immer dankbar.

A propos Barleber: Der Preis für Exzellenz in Bierfragen geht derweil an Jana. Ein Kölsch wollte sie trinken, genaugenommen ein Früh Kölsch. Natürlich geht das in Düsseldorf nicht. Nach einer kurzen kortikalen Synapsenparty auf der Suche nach dem Düsseldorfer Pendant platze es aus ihr heraus: Da trinkt man doch Spätbier! Selbstverständlich hat sie Recht: Spät ist nicht nur das Gegenteil von früh, sondern ist zeitlich irgendwo da gelegen, wo auch “alt” anzusiedeln ist. Breiti fand das übrigens nicht so topüberzeugend und lächelte freundlich – eben so, wie man das mit Verrückten macht, um sie nicht gegen sich aufzubringen. Spätbier (für die Sternitrinker unter euch) sieht übrigens aus wie Putzwasser mit Abschaumentwicklung. Bildung muss sein: Ursache für die Entwicklung von Schaum auf Abwasser sind Fette und Öle, die aufgrund ihrer Stoffdichte auf der Wasseroberfläche schwimmen.

Nach einer in jeder Hinsicht angenehmen Fahrt, einem prima Auftritt der Radio Dead Ones sowie einer soliden und hochamüsanten Performance der Hosen begann der eigentliche Spass jedoch nach der After Show Party. Ein Blick auf die Uhr erwies sich als blitzernüchternd: Das Parkhaus des SS Dome (habe ich ein I vergessen? Entschuldigung!), in das wir vor dem Konzert ohne groß die Wahl gelassen zu bekommen reingewunken wurden, schliesst nämlich zwei Stunden nach Konzertende. So beeilten wir uns hinaus, um dann doch vor einem leeren, dunklen und vor allem verschlossenen Parkhaus zu stehen. In der Kälte, und selbstverständlich ohne Jacken – die waren ja im Auto.
(Gar nicht so) lustigerweise kostet es zusätzlich zu den 5 EUR Parkgebühren weitere 30 EUR, den Sicherheitsoffizier zu bestellen. Da das Parkhaus aber erst am nächsten Tag zwei Stunden vor Beginn der nächsten Veranstaltung erneut öffnet, blieb uns keine Alternative. Glücklicherweise fand sich ein zweites Opfer des Systems, mit dem wir uns die Gebühr teilen konnten. So wurde aus dem teuersten Parkplatz meines Lebens dann doch nur der zweitteuerste (Platz 1 geht an Parkscheibe recht lange überziehen: 25 EUR). Mein Wut-Zeh tut übrigens nach vielfacher und intensiver Bekanntschaft mit dem Zaun zwischen Dome und Parkhaus heute ziemlich weh.

In Ermangelung eines im Vorfeld organisierten Schlafplatzes bewegten wir uns mit dem teuer ausgelösten Auto zu dem Hostel, in dem unsere Bekannten untergebracht waren, da in ihrem Zimmer noch drei Betten frei waren. Vorher legten wir noch einen kurzen Stop am Bahnhof ein; dieser verlief bis auf eine sich mehrfach verselbständigende Alarmanlage unseres Autos sowie eine als Zeugen beigewohnte Auseinandersetzung in der amerikanischen Botschaft zu McDonald’s ohne nennenswerte Zwischenfälle. Wir fuhren also zum Hostel und verschafften uns Zugang zu den Gemächern der Herren. Aber was wäre das Leben ohne kleine, fiese Überraschungen? Eben: Beim Öffnen der Zimmertür biss sich eine hartnäckige Duftwolke aus ausgedünstetem Alkohol und Döner in unsere empfindlichen Mädchennasen. Die Quelle für den Dönergeruch fand sich sofort: Auf dem Boden vor einem der leeren Betten lag das Corpus Delicti großflächig verteilt. Yummy! “Ich war’s nicht”, versuchte einer der Herren uns noch zu beschwichtigen – entgegen eindeutiger Beweislage (Stockbett neben dem Dönerboden). In diesen Gasen geräuchert squatteten wir dann in den leeren und unbezogenen Betten unseres Dönerpuffs. Den schlafwandelnden Roger habe ich während meines zweistündigen Regenerationsaufenthalts leider verpennt. Mir wurde jedoch zugetragen, er habe seinem Kumpel am Fuss gerüttelt und wollte ihm bei irgendetwas helfen. Nett von ihm!

Um 6:30 Uhr haben wir uns dann sicherheitshalber aus dem Hostel verdrückt und sind frühstücken gegangen. Die Idee war, auf den Sonnenaufgang zu warten und Jana um 8:00 Uhr (wenn die Rezeption besetzt ist) als ordentlichen Gast, der auf seine Freunde wartet, ins Hostel zurückzubegleiten. So tranken wir unseren Kaffee und wunderten uns noch, warum es nicht endlich mal hell wird. Die freundliche Bedienung erklärte uns daraufhin, dass in Düsseldorf die Sonne “so acht, halb neun rum” aufgeht. Aber in Berlin ist es doch halb acht schon wach! Und warum? Im Osten geht die Sonne auf… Im Westen gehen wir unter.

Die Episoden Schnieder, Hautkapuze, Rührei zum Speck für schlechte Autofahrer und Hühnerstange in Deutschlandfarben bleiben euch erspart.

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