Es fließt durch meine Venen, es schläft in meinen Tränen

Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass das hier ziemlich lame ist. Aber heute ist unser letzter Tag, und ich muss darüber reden: Mein treuester Weggefährte geht von mir. Nach zehn Jahren, in denen ich unsere Differenzen an zwei Händen abzählen konnte (der AC/DC kennt sie alle – blieb er doch der einzige Helfer, der auch mal den Beetle abgeschleppt hat).

Mein Beetle war öfter als die Polizei erlaubt dabei. Er konnte alles. Vor allem saufen. Dafür haben wir aber auch jedes Auto an der Ampel abgehängt, schafften bergab mit Rückenwind und leichtem Gepäck 207 km/h und wurden trotzdem nur ein einziges Mal geblitzt. Hell Yeah. Mit den Politessen war er hingegen per du, die kamen ein Jahr lang fast jeden Tag und schrieben Liebesbriefe.  Und liessen sich dafür bezahlen (wie war noch mal das Wort…?).

Wir haben unzählige Stunden auf der Straße verbacht, mit den besten Freunden der Welt. Die Anlage (die am Ende nur noch eine Lautstärke hatte, nämlich “laut”) stets aufgedreht. Er hat mich singen hören. Viel (Bon Jovi). Laut (Body Count, Aus-rotten, Frontkick). Falsch (das meiste). Manchmal auch richtig (Black Sabbath, Metallica). Er hat Dinge gesehen, die für Minderjährige nicht bestimmt sind. In schummrigen Gassen geparkt und mich zusammengefaltet auf der Rückbank beherbergt. Rockenhausen bereist. Und so viel mehr. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Meine 115 Pferde und ich. Und nun müssen wir uns trennen.

Ich werde künftig 10 PS, die schwarze Karosserie und 0,1 l Motor vermissen. Ich downgrade, auch physisch: Ich werde meine Arme nicht mehr nach oben ausstrecken können. Uh oh, ich werde melancholisch. Warum hat mich keiner gewarnt?


(Das war die Nacht, in der wir nicht mehr aus dem Parkloch kamen und anschliessend fast ein Ende auf der Autobahn fanden, bevor ein Vollidiot uns vor der Haustür beinahe gerammt hätte)

Comments
2 Responses to “Es fließt durch meine Venen, es schläft in meinen Tränen”
  1. cupidosson says:

    nicht zu vergessen die vielen Radfahrer, die sich im Suizidwahn vor ihn werfen wollten …

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