Die Regierung

Wir wollen heute die Zahnärzte einmal Zahnärzte sein lassen und uns den wahrlich interessanten Dingen widmen: den Ratgebern für zwischenmenschliches Treiben in Frauenhochglanzmagazinen nämlich. Bedingt durch meine Arbeit komme ich regelmäßig in den Genuss verschiedenster Printmedien. Meine Favoriten neben den andernorts bereits erwähnten zahnmedizinischen Publikationen sind hierbei vor allem jene Klatsch- und Modezeitschriften mit vielen Bildern und wenig Inhalt. Bei deren Lektüre musste ich feststellen, dass die ein oder andere Frauenzeitschrift neben ergreifenden Themen wie der Gewichtszu- und/oder -abnahme von A-, B- und C-Prominenten auch über die Dinge berichtet, die uns Frauen im gewissen Alter unentwegt beschäftigen (natürlich neben der eigenen Gewichtszu- und -abnahme). Allen voran: Wie lasse ich mich gut heiraten? Die Mai-Cosmo kann diese Frage zwar nicht beantworten, gibt aber wenigstens im Umkehrschluss Rat, bei welchen Zeichen von einer Eheschliessung lieber abzusehen ist (“6 Signale, dass Sie ihn noch vor der Heirat verlassen sollten”, S. 18 – ja danke, aber was wir NICHT wollen, wissen wir in der Regel dann doch). Anyhoo, zwei dieser Signale fand ich besonders teilenswert:

“2. Er nennt Sie seine ‘bessere Hälfte’ oder auch ‘die Regierung'”
Also, Entschuldigung bitte, aber was für ein enorm cooler Kosename ist denn “die Regierung”? Das ist respektvoll, mächtig und wesentlich unkitschiger als zum Beispiel “Göttin” (als Nickname nichtsdestotrotz durchaus akzeptabel!). Ich meine, das klingt doch fabelhaft:

“Die Regierung hat in der Krise alles richtig gemacht”
“Die Regierung hat eine hohe Neuverschuldung beschlossen”
“Die Regierung hat mich gefickt” – das klingt gleich ganz anders, oder?
Besser noch: “Ich habe die Regierung gefickt.” Steigerungen denkbar. Hui!

Oder sehe nur ich das so und meine Begeisterung für diesen Liebesbeweis wurzelt in meiner Leidenschaft für Politik und meiner Faszination für evils wie Autorität und Macht? Verehrte Herren, wenn ihr euch bei mir beliebt machen wollt, wisst ihr jetzt Bescheid. Cosmo, das ist definitiv ein Heiratsgrund, möchte ich mal sagen!

“5. Er sagt ‘wenn wir mal Kinder haben, musst du nicht mehr arbeiten'”
Ja, aber… das ist doch nett, aufmerksam und entgegenkommend! Hier, hallo, hallo, ich, ich, iiiiiich! Eigentlich möchte ich aber schon sofort nicht mehr arbeiten, schnell heiraten und die Pre-Kids-Zeit nutzen, um auf einem Brandenburger Bauernhof abzuhängen, meine eigenen Tomaten anzubauen, ein Schwein zu halten und ein Buch zu schreiben. Oder zwei (Schweine, nicht Bücher). Ich weiss, so etwas soll man nicht sagen – aber ehrlich, wir denken es doch alle.

Ich weiss, so wird das nix. Quod erat demonstrandum. Nicht.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

  • Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

%d bloggers like this: