Asche zu Asche, Staub zu Diamanten.

Ich bin fasziniert von Finsternis, Verdammnis, Untergang und Dunkelheit. That’s me. Das sind mächtige, biblische Konzepte, die Autorität ausstrahlen, Angst schüren und Handlungen kontrollieren sollen, und mit denen man sich in der Regel ehrfürchtig auseinandersetzt.  Spannend und sehr existentiell.

Dagegen wirkt der Teilaspekt jener allumfassenden, mystischen Ideenkomplexe, von dem ich euch heute erzählen möchte, sehr bodenständig und weltlich: Es geht um Bestattungen. Unweit meiner Dienststelle befindet sich ein Bestattungsinstitut, und ein Blick ins Schaufenster zeigte mir sofort: Gar nicht mal so uninteressant, diese Zunft! Bestattungsarten für jeden Geschmack sowie nützliche Versicherungen (die haben illustre Namen wie IDEAL SterbeGeld) sollen einem das Ableben schmackhafter machen. Ableben 2.0 quasi, vollindividualisiert. I like. Und deswegen möchte ich euch nachfolgend meine Top 5 Bestattungsarten vorstellen. Leider bin ich aber nicht nur Creep, sondern auch Nerd, und so ergab es sich durch meine umfangreiche Recherche und die zahllosen, neugewonnenen Erkenntnisse, dass ich meine gesammelte, hochspannende Information nicht in einem einzigen Beitrag unterbringen kann.

Damdamdamdamdam (ein Trommelwirbel, was sonst!), Vorhang auf für meine Bestattungs-Serie der interessantesten Formen fürs “Danach”.

Wir arbeiten uns vor und beginnen mit Platz 5. Plastination. Nicht besonders spektakulär und für den Einstieg gerade richtig.

Platz 5: Plastination, oder: Huch, wie bin ich denn hier reingekommen?

Worum es sich bei der Plastination des Leichnams handelt, setze ich mal als Allgemeinplatz unter meinen schlauen Lesern voraus. Die Plastination landet nicht auf Platz 5, weil sie besonders schaurig oder außergewöhnlich ist (Körperwelten ist ja mittlerweile Bestandteil unserer neuesten Kulturgeschichte), sondern weil die Gefahr, unbeabsichtigt als Ausstellungsstück zu enden dieser “Bestattungsart” einen zusätzlichen Kick verleiht. Auf einer einschlägigen Website zum Thema erfährt der geneigte Leser:

“Das IfP (Institut für Plastination, eine private Forschungseinrichtung in Heidelberg, Anm. Frau Lotte) nimmt laut Aussage einer IfP Mitarbeiterin (Stand 2005) auch Verstorbene zur Plastination an, wenn der Spender dies nicht schriftlich fixiert hat. Die Versicherung der Angehörigen, dass eine Platination der Wunsch des Verstorbenen war, reicht aus. Wer also sicher gehen möchte, nicht als Plastinat zu enden, sollte in jedem Fall eine Bestattungsverfügung verfassen und seinen Willen festlegen.”

Ich sag mal: Huch! Wie bin ich denn hier reingekommen und warum schauen die alle so auf meine Brüste? (Nicht, dass man sich diese Frage nicht auch lebend und wochenends in der Disco stellen könnte!)

Platz 4: Diamantbestattung, oder: Kohlenstoff is a girl’s best friend.

Die Diamantbestattung ist das Mädchen unter den Einäscherungen, klare Sache (pun intended!): Nicht so extrem (heiss) wie die konventionelle Feuerbestattung, wahnsinnig teuer und im Endeffekt schön. Dabei wird nach der Einäscherung (Obacht am Temperaturregler: Bitte nicht zu heiß verbrennen, denn dann bleibt kein amorpher Kohlenstoff über!) in einem aufwendigen Prozess der Kohlenstoff aus der Asche herausgelöst und zu einem Diamanten veredelt. Das Verfahren an sich ist jedoch durchaus fraglich, da die Züchtung eines Kristalls amorphen Kohlenstoff voraussetzt. Und hier wird es schwierig. Wikipedia lehrt uns:

“Zur Gewinnung von Diamanten werden die natürlichen Entstehungsbedingungen von Diamantkristallen nachgebildet. Da in “normaler” Kremationsasche kein Kohlenstoff enthalten ist, erfolgt bestenfalls der Einsatz von externem Kohlenstoff (also nicht unbedingt vom Verstorbenen).”

Oh, oh, also alles nur Humbug? Andere Stellen bestätigen die Zweifel um die Kohlenstofffrage (jau, mit drei ‘f’) und raten zur günstigeren Alternative: Haarverkohlung. Ein Haarbüschel enthält anscheinend genügend Kohlenstoff, um einen 1-Karäter herzustellen. Sensationell. Ein weiteres Plus: Man muss nicht erst sterben.

Ich frage mich nebenbei, ob das mit meinen Haaren funktionieren würde. Wie gestaltet sich so eine Wasserstoff-Kohlenstoff-Beziehung? Aber falls es so nichts wird, kann Abhilfe geschaffen werden: Auf Anbieterwebsites kann man nachlesen, dass nicht nur Kopfhaar verarbeitet wird. Also, wer möchte einen Schamhaar-Diamant?

Hier geht es zu Platz 3: Im Freezer! Die Plätze 2 bis 1 folgen, und ich verspreche schon mal vorab: Die haben es in sich!

Comments
2 Responses to “Asche zu Asche, Staub zu Diamanten.”
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  1. […] euch doch endlich. Ganz und für immer. Ich habe da auch schon ein paar Ideen für hinterher (Diamantbestattung, Kryonik, Promession). […]

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  2. […] wäre, dass der Trend zur Erdbestattung im Grab rückläufig ist und man sich lieber granulieren, diamantisieren oder einfrieren lässt. Ein Blick auf die Kaufkraftkarte in der Region deutet jedoch weiterhin eher […]

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