In der Gehirngallerie

Es ist soweit, nachdem wir bereits die Möglichkeiten von Plastination und Diamantbestattung evaluiert haben, kommt hier Teil Zwei von “Werft meine Leiche bitte nicht in die Biotonne”. Es folgt Platz 3 der interessantesten Wege, sich seiner sterblichen Überreste zu entledigen.

Platz 3: Kryonik, oder: Die Befreiung von den Zwängen eines begrenzten Zwanzigsten-Jahrhundert-Daseins (sic)!

Kryonik, das kommt vom griechischen “kryos” und heisst übersetzt schlichtweg “kalt” – aber das klingt weniger hochtrabend und lässt sich entsprechend schlechter verschachern. Anyhoo, wie der Name schon andeutet, bedeutet Kryonik das stufenweise Einfrieren des Körpers unmittelbar nach dem Tod. Top: Das stoppt den Verfall. Flop: Nützt aber nix, wenn man einen Motorradunfall hatte oder schon altersbedingt verfallen war. Spannend: Vor dem Einfrieren wird das Blut durch Kühlflüssigkeit ersetzt (…das hat doch was, oder? Baby, mir fließt Kühlflüssigkeit durch die Adern!). Das nennt sich dann Vitrifizierung und dient dazu, die Bildung von Eiskristallen im Tiefkühlprozess zu vermeiden. Eiskristalle würden nämlich zu mikroskopischen Verletzungen führen, die in 1000 Jahren nach heutigem Kenntnisstand irreversibel sind. Jawohl. Zur Lagerung wird der Körper dann bei -196 °C in flüssigem Stickstoff gekühlt. Yummy!

Doch Halt, Wikipedia gebietet Obacht: “Hierbei werden die Glasübergangstemperaturen der verwendeten Vitrifikationslösungen weit unterschritten, so dass die Gewebe bei ca. -150 °C frakturieren.” Aber keine Panik, die Anbieter glauben, dass sie das beim Auftauen dann schon wieder hinbiegen können. Versucht hat es halt noch keiner, aber das ist ja auch nebensächlich, wenn du erst einmal eingefroren bist und derjenige, der dich eingefroren hat, nach ein paar Jahren in Saus und Braus auch tot ist.

Momentan kann man sich in Deutschland leider noch nicht einfrieren lassen – aber wenigstens kann man hier schon mal mit seinen Haustieren anfangen. Das wussten wir allerdings schon seit der Lektüre des großen Bagarozy. Doch zurück zur Kryonik toter Menschen.

Auch in Deutschland arbeiten die Anbieter der Zukunft auf Hochtouren an ihrem Geschäft, pardon, Traum und versprechen: “Stellen Sie sich die Chance vor, wieder mit den Menschen vereint zu sein, die Sie lieben, in einer Zukunft mit ungeahnten Möglichkeiten. Stellen Sie sich dieses beruhigende Gefühl vor zu wissen, dass Sie von den Zwängen eines begrenzten Zwanzigsten-Jahrhundert-Daseins befreit werden können.”

Aber zurück zum Thema, nochmal. Wem eine Ganzkörperkonservierung zu teuer ist oder wer nicht 1000 Jahre in Stickstoff eingelagert auf dem Kopf stehen will (hatte ich das nicht erwähnt?), der kann auch nur seinen Kopf – oder wahlweise sein Hirn – einfrieren lassen. Es gibt also auch Hoffnung für die Motorradunfälle unter uns. Auferstehen gestaltet sich dann vermutlich à la Futurama via Kopf/Hirn im Gefäß.

Das Cryonics Institute Germany versucht sich derweil in fundierter, sozial- und geisteswissenschaftlicher Analyse, um die letzten Zweifler zu überzeugen:

“Einige Leute halten die Kryonik für eine selbstsüchtige und hochmütige Zügellosigkeit. Aber ist es etwa selbstsüchtig, Geld zur Erhaltung der eigenen Gesundheit auszugeben? Und eines steht doch fest: Wir werden alle vom Alterungsprozeß bedroht, und in einer freien Gesellschaft wie der unseren hat jeder das Recht sein Geld nach Belieben für die Erhaltung seiner Gesundheit und seines eigenen Lebens auszugeben. Einige Leute befürchten, dass die Kryonik die anstehenden Probleme der Überbevölkerung noch verschärfen könnte. Doch alleine die Fortschritte in der Gerontologie (Alterungsforschung) der letzten 25 und der nächsten 50 Jahre werden die Menschheit mehr beeinflussen, als die kleine Minderheit der Kryonik-Patienten es je tun könnte.”

Hilfe, das Alter kommt! Und es bedroht uns! Und dann, herrje, sind da all diese Alten! Schnell, friert ein, was euch einfriert! Ich bleibe noch ein wenig bei Eis, Pizza und Frozen Daiquiri.

Plätze 2 und 1 folgen hier. Derweil üben wir das mit der Kryonik nochmal:

Comments
2 Responses to “In der Gehirngallerie”
Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] Ganz und für immer. Ich habe da auch schon ein paar Ideen für hinterher (Diamantbestattung, Kryonik, Promession). […]

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  2. […] zur Erdbestattung im Grab rückläufig ist und man sich lieber granulieren, diamantisieren oder einfrieren lässt. Ein Blick auf die Kaufkraftkarte in der Region deutet jedoch weiterhin eher auf These […]

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