Aschenkapselschlag ist der neue Steinschlag.

Und weiter geht’s. Nachdem wir mit der Plastination, der Diamantbestattung und der Kryonik schon drei Top-Lösungen in Peto haben, kommen hier Platz 2 und Platz 1 meiner Favoriten unter den Bestattungsarten.

Platz 2: Promession, oder: „Gedenke, o Mensch, dass du aus Staub bist und zu Staub wieder zurückkehrst.“ (Genesis 3,19)

“Promession” erinnert mich ethymologisch an promesse, frz., Versprechen. Laut Wikipedia handelt es sich allerdings um ein Kunstwort ohne beschreibende Bedeutung. Was, kein Versprechen? Wer soll das denn kaufen, fragt sich der Werber! Die Promession setzt fort, was die Kryonik angefangen hat, nur dass statt Zombiemodus und Einlagerungsnebenkosten für 1000 Jahre Kühlhaus am Ende die Zersetzung zu Granulat steht. Menschengranulat, woohoo! Das geht so (Molekularköche und Hobbyphysiker aufgepasst!): Leichnam und Sarg werden in einem Bad aus flüssigem Stickstoff schrittweise auf -196 Grad Celsius abgekühlt. Die niedrige Temperatur macht den Körper glashart.

Kurze Pause für einen kleinen Bildungsexkurs: Materialphysiker sprechen vom “Glasübergang” – durch Absenkung der Temperatur wird die Molekülbewegung immer weiter eingeschränkt, bis bei sehr tiefen Temperaturen die Moleküle fast unbeweglich erscheinen. Das ist dann der Punkt des Glasübergangs, denn wenn sich die Moleküle nicht mehr bewegen, lässt sich das Objekt zerbersten.

Ihr ahnt es schon, ist der Körper erstmal glashart, wird ordentlich gerüttelt, bis von Kopf bis Fuss alles zu Granulat zerfallen ist. Dann folgt ein Vakuumierungsprozess, der dem Granulat die Flüssigkeit enzieht. So wird übrigens auch Instantkaffee hergestellt. Aber den Gedankengang wollen wir an dieser Stelle nur weiterdenken (…)

Im nächsten Schritt entledigt man sich noch schnell sämtlicher Metallrückstände und dann geht’s schwupps unter die Erdoberfläche. Je nach Wunsch für die Hippies unter uns auch gern im ökologisch abbaubaren Särgchen aus Mais- oder Kartoffelstärke. Das Leichengranulat ist zwar nach etwa einem Jahr biologisch abgebaut, jedoch steht der Energieverbrauch dieser Öko-Bestattung noch zur Debatte: “Als nachteilig dürfte sich der hohe Energiebedarf von etwa 6000-10000 KWh je Leichnam auswirken. Dies entspricht einem Verbrauch von rund 3 Tonnen Steinkohle in einem Kraftwerk, wenn man von den üblichen Wirkungsgraden ausgeht. Im gleichen Maße wie sich hieraus Kosten ergeben, leidet die ökologische Gesamtbilanz.”

UH OH! Die Öko-Bestattung wird wohl energetisch unter “Satz mit X” abgehakt. Bleibt also nur…

Platz 1: Weltraumbestattung, oder: Beam me up… Leichenkapselschlag.

Die Weltraumbestattung an sich ist ein “alter” Hut, aber auch eine schöne Geschichte mit hohem Coolnessfaktor wegen der Bedrohung künftiger Missionen. Das Konzept ist denkbar einfach: Man stirbt, wird eingeäschert und in eine Kapsel gepackt. Ach halt, nur ein Teil der sterblichen Reste wird in die Kapsel gepackt. Das ist wie mit Übergepäck bei Ryan Air: Alles mitnehmen ist schlichtweg zu teuer. Eine Streichholzschachtel Asche fliegt also ins All und wird dort abgestoßen, der Rest bleibt zurück (left behind! boo-hoo!).

Für die Weltraumbestattung gibt es diverse Szenarien von der Satellitenverbrennung bei Atmosphäreneintritt bis zur Mondbestattung. Mein Favorit jedoch ist das Abschießen des Ürnchens in die Umlaufbahn. Das wird ab einer großen Anzahl in der Umlaufbahn umherschwirrender Kapseln nämlich hochspannend für kommende Weltraummissionen. Ich sag mal, Carglass repariert?

Eher nicht. Oft werden deswegen die Umlaufbahnen so niedrig gewählt, dass die Kapseln nach sehr kurzer Zeit wieder in die Erdatmosphäre eintreten. Das ist doch Betrug. So verhielt es übrigens auch bei Scotty (der Beambär aus Star Trek, wir erinnern uns!), der 2007 im Weltraum bestattet wurde. Es ging für Scotty zunächst zwar up, aber dann flugs wieder down – die Aschenkapsel ging bei der Aktion verloren und wurde erst ein paar Wochen später in der Wüste von New Mexico wiedergefunden. Oups! Kostet ja je nach Anbieter auch nur zwischen 500 und 12.500 Dollar pro Gramm Asche. Und dann klappt das noch nicht einmal und man landet doch wieder auf diesen Planeten und wird von Würmern gegessen (statt von Weltraumwürmern). Ist doch alles Mist.

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3 Responses to “Aschenkapselschlag ist der neue Steinschlag.”
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  1. […] und für immer. Ich habe da auch schon ein paar Ideen für hinterher (Diamantbestattung, Kryonik, Promession). […]

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  2. […] wäre, dass der Trend zur Erdbestattung im Grab rückläufig ist und man sich lieber granulieren, diamantisieren oder einfrieren lässt. Ein Blick auf die Kaufkraftkarte in der Region deutet […]

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  3. […] 2 und 1 folgen hier. Derweil üben wir das mit der Kryonik […]

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