0800-CABCALL

0800-CABCALL, das ist die Telefonnummer des Berliner Taxiunternehmens Würfelfunk. Eine Nummer, die sich der größte Idiot im schlimmsten Zustand geistiger Umnachtung merken kann und deswegen natürlich auch die erste, die ich kannte. Was durchaus in Ordnung ist, denn ich war mit Service und Leistung des Würfelfunks immer mehr oder minder zufrieden und sah keinen Anlass, weitere Nummern einzuholen. Bis gestern Abend.

Ich ließ mir ein Taxi zu der Bar rufen, in der ich mich aufhielt. Um 20.30 Uhr, also einer zivilen Zeit. Ich war so entgegenkommend, mich vor die Tür zu stellen und dort zu warten. Das finde ich nur höflich. Zugegebenermaßen schien es mir im Umkehrschluss auch immer irgendwie uncool, wenn ein Taxifahrer in die Bar kam und einen Namen aufrief, dessen Träger dann stillschweigend und schuldbewusst gen Tür und Taxi nachtrottete. Das ist so stigmatisierend und hat zudem diesen unangenehmen Autoritätscharakter, den ich immer zwischen Muttis erhobenem Zeigefinger und dem Wartezimmeraufruf der Arzthelferin in einer Schublade sah. Anyhoo, ich ging also raus und stellte mich nicht nur vor die Tür, ich lief sogar vorausdenkend zur Ecke der großen Straße, von der kommend ich das Taxi vermutete. Nach den versprochenen 3 Minuten (ich schätze das Unternehmen für genaue Angaben und schnelle Ankunft) hupte mich ein Auto von der gegenüberliegenden Straßenseite der vierspurigen, stark befahrenen und durch eine Straßenbahnlinie in der Mitte getrennten Straße an. Das fand ich ziemlich unmöglich, schliesslich schätze ich ebenfalls den Luxus, dass ein Taxi zur bestellten Adresse kommt. Aber ich bin da auch nicht so. Also fasste ich mir ein Herz und stöckelte maximal konzentriert über Fahrspur 1 und 2, kletterte über die Abzäunung der Straßenbahn, stakste vorsichtig über die Gleise, stieg durch matschigen Boden um weiteres Klettern zu vermeiden und wackelte schliesslich noch tapfer über die Fahrspuren 3 und 4. In meiner körperlichen Verfassung war das ein ziemlicher Akt.

An der Beifahrerseite angekommen streckte ich meinen Arm nach dem Türgriff der Hintertür aus – da macht das Taxi auf einmal einen Satz nach vorne! Spätestens hier hätten alle Alarmglocken angehen müssen, aber ich war einfach so glücklich, dass überhaupt ein Taxi da war, dass ich, bereit, dieses Unding Nummer 2 zu übersehen, beherzt einen Schritt nach vorne machte, die Tür öffnete, freundlich grüßte und mich erleichtert in die Ledersitze der Rückbank eingrub.

Wir waren keine 100 Meter gefahren, da ließ der Fahrer glatt das Beifahrerfenster herunter! Ich roch vielleicht nicht mehr nach Blumen, aber so schlimm kann es nicht gewesen sein, da bin ich ziemlich zuversichtlich.

Aber es sollte noch besser kommen. Es gibt auf dieser Strecke vier akzeptable Möglichkeiten abzubiegen. Die ersten beiden Wege sind die beste Wahl und etwa gleich lang, und dann werden die Wege von Möglichkeit zu Möglichkeit länger. Ich war ehrlich gesagt zu schwach, mich auf eine Diskussion einzulassen und schaute, nachdem wir bei Möglichkeit drei vorbeigefahren waren, einfach immer grimmiger drein (mein grimmiger Blick of Death ist eine ernstzunehmende Sache). Bei Möglichkeit Nummer vier bog er dann dankenswerterweise doch noch ab. Ich sah mich zwischenzeitlich schon verschleppt und wünschte mir, ich hätte das Angebot von Onkel H. angenommen, mich nach Hause zu bringen.

Während der Fahrt machte mein freundlicher Dienstleister das Beifahrerfenster immer wieder auf und zu. Lustigerweise wollte er mir erzählen, dass er nichts macht, sondern das Auto die Fensterheber betätigt. Ist klar. Ich bin ne Frau, blond und gerade nicht ganz fit. Kann man ja mal versuchen. Sehr respektvoll.

Zum Glück waren wir fast zuhause angekommen. Dass ich ihm den letzten Teil des Weges angesagt habe, lassen wir mal außen vor.

Die Fahrt kostete 1,50 Euro mehr als üblich. Und obwohl ich seit meinen Bar-Zeiten grundsätzlich gutes Trinkgeld gebe, werdet ihr mir sicher nachsehen, dass ich den vorangegangenen Ereignissen Rechnung tragend lediglich auf den nächsten Euro aufrundete. 60 Cent also. So zeige ich meine Unzufriedenheit! Ich zahlte, packte meine Sachen, sagte freundlich auf Wiedersehen (und hoffte das Gegenteil) und war schon mit einem Fuss aus der Tür, da drehte der Typ sich nochmal um und sagte mit sanfter Stimme und freundlichem Tonfall: Tschüss, Schlampe!

Tschüss, Schlampe? Ich habe innerlich bis drei gezählt, mich überzeugt, dass ich mich verhört habe und bin meine Contenance wahrend nach Hause gelaufen. There’s only so much shit I am willing to take on a 15 minutes cab ride.

Ob ich wütend genug bin, den Würfelfunk in Kenntnis zu setzen, weiss ich noch nicht. Aber eins möchte ich an dieser Stelle die Welt wissen lassen: Der Dienstleister in Wagen 7517 ist ein blöder Wichser.

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