The Dreibein Diaries, Teil 1: Küchenspaß

Ich habe mir nur den Fuß gebrochen, das vorab klargestellt. Es geht mir gut, und ich jammere nicht unnötig rum. Aber ich sehe mich allen Krücken dieser Welt gegenüber verpflichtet, die Zweibeiner über den ungewohnt problembehafteten Alltag der Dreibeiner aufzuklären.

Die Dreibeinigkeit kann man sich übrigens ein bisschen so vorstellen:

Das ist die großartige Katze vom großartigen Sven.  Sven kann auch gut Eulen malen. Und Kleckse.

Aber zurück zur Dreibeinigkeit, die mit dem Verlust beider Hände einhergeht. Lasst euch gesagt sein: Der Alltag ohne Hände ist enorm beschwerlich. Die einfachsten Dinge fallen aus. Spülmaschine ausräumen geht zum Beispiel nur, indem man die Krücken ablegt und mit dem Geschirr in der Hand zwischen Maschine und Schrank hin- und herhüpft. Das ist anstrengend und gefährlich. Das Blut schiesst in das gebrochene Bein zurück, flutet die Zehen, der Fuß wird rot und dick und die Zehen zu Wiener Würstchen. Nach zwei Minuten fühlt es sich dann an, als würden die Zehen explodieren. Wurstsalat, pfui.

Gefährlicher als hüpfend Gläser wegzuräumen jedoch ist der Transport von Flaschen: Volle Plastikflaschen, die per se erstmal keine Gefahr darstellen, kann man sich zwar unter den Arm klemmen, aber leider rutschen sie aufgrund ihres Gewichts mit jedem Krückenschritt weiter herunter und verursachen dann grundsätzlich Quetschungen am Kontaktpunkt Krücke-Arm. Auääär!

Glasflaschen sind noch weniger behindertengerecht. Gar behindertenungerecht, möchte ich meinen! Vor allem gekühlte. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Beim Versuch, ein kaltes Bier unter den Arm geklemmt aus der Küche ins Wohnzimmer zu transportieren, entglitt mir die durch Kondenswasser beperlte Flasche und zerbarst vor meinen Füßen. Na super. Ich legte meine Krücken ab, sammelte einbeinig-balancierend die Scherben, schnitt mich natürlich an Kleinteilen, versuchte, die Bierlache mit Lappen aufzusaugen, alles auf meinen immernoch blauen Knien rutschend. Als dann die Sauerei plusminus beseitigt war (ein langer, zäher und vor allem schmerzhafter Akt, von dem man sich nicht vorstellen kann, wie mühsam er tatsächlich ist, wenn man es nicht selbst erlebt hat!), griff ich mir – einen künftig klebrigen Küchenboden notgedrungend in Kauf nehmend – mit meinen blutenden Händen meine Krücken, machte einen Schritt… und stakste zielstrebig in den beim Wischen vernachlässigten Rest der Lache. Zack, rutschte die Krücke weg. Zonk, fing ich mich instinktiv mit dem Gipsbein ab, um Schlimmeres zu verhindern. Doch ach, weh! Das herzhafte Auftreten mit dem gebrochenen Fuß stellte eine Schmerzsensation dar, die ich niemandem empfehle.

Putzen auf Krücken ist ergo eher nicht drin. Ganz konkret enfallen zum Beispiel staubsaugen und kehren aufgrund mangelnder benutzbarer Extremitäten. Auf beiden Knien auf dem Boden entlangrutschen und wischen fällt wegen handgroßen Blutergüssen auf beiden (geschwollenen) Knien von o. g. Notfall abgesehen auch aus. Es ist wirklich ein Traum, – vor allem für notorische OCDs wie mich – an die Couch gefesselt zu sein und dabei zuzusehen, wie der Boden zunehmend versifft: Bierlache (mea culpa), Karamellspritzer (Heinz!), Katzenhaare (Jacques!), Staub (Welt). Einzeln schon nicht so der Hit, in Kombination unerträglich, klebrig, eklig. Und jeden Tag aufs neue damit leben: furchtbar frustrierend.

Was also tun? Mein Tipp: Betäuben und aushalten. Das geht mit BTM (passen in jede Hosen-/Jackentasche) oder mit Alkohol. Wer aufgepasst hat, weiss: Biertransport bitte nur in der Umhängetasche!

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