Mach mal einer das Licht an, Ahrenshoop!

Sonntag. Berlin. Angekündigte Temperaturen von bis zu 21° C. Die Sonne lacht. Was macht man da? Richtig! Weg, raus. Bevor die Scharen aus ihren Wohnungen oder Stammkneipen kriechen. Und natürlich flüchten wir nicht nur vor den Menschen, mit denen wir am freien Tag ums Verrecken nicht koexistieren wollen, sondern durch die Zielwahl Ostsee und mangelnde Nutzung der Möglichkeiten der modernen Meteorologie auch vor der Sonne. In Dunkeldeutschland ist es  immer irgendwo grau. Wir fanden dieses Grau in Ahrenshoop.

Ahrenshoop, so wurde es mir erklärt, kennt man als Mensch mit solider Allgemeinbildung. Gibt’s ja auch schon seit 700 Jahren, was für eine Kolonie mit schilfgedeckten Häusern auf einer windigen (ich meine natürlich die Luftbewegung und nicht die zweifelhafte Moral) Halbinsel doch recht amtlich ist.

Der USP (Unique Selling Proposition für die Handvoll hier, die nicht “irgendwas mit Medien” macht) von Ahrenshoop lautet “Künstlerdorf” (aber nur für die neuen Bundesländer, die Wessis haben Worpswede. Wie das klingt – Worpswede!). Anyhoo, die Seebadbewohner brauchten auch eine Alleinstellung, denn wäre aus Ahrenshoop kein Künstlerdorf geworden, gäbe es keine 70% Ferienwohnungen und Hotels. Und keine weiteren 27%  Fischrestaurants und Galerien (oft beides in einem) und 2% Einkaufsläden (Poststelle mitgerechnet), die von 1% gemeldeten Anwohnern frequentiert werden. Wo wir schon dabei sind, so weit ich das richtig sehe, gibt es dort keine Polizeistation. Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne diesen malerischen Ort an geburnoutete Großstädter zu verkaufen, wäre auch dieses Nest nur ein weiterer idyllischer, roter Fleck auf der Deutschlandkarte, der Arbeitslosenzahlen von über 14% verzeichnet.

Aber wir wollen nicht weiter pessimistisch sein. Dafür gibt es eine Menge Bilder mit grauem Himmel, die unseren Trip sehr anschaulich bekunden. Für zusätzliches Drama habe ich dem ein oder anderen komplett die Farbe entzogen. Voilà:

Wasser und Möwen.

Wasser und Sand.

Wasser und B0ot.

Dünen of Doom.

Dünen of Doom, mit Wasser.

Dünen, Doom und Wasser.

Häuser mit Rohrdächern. Schilfrohrdächern. Voll typisch, bloß dass das Material aus China, Rumänien und weiteren Ländern importiert werden muss, da die Nachfrage das hiesige Angebot übersteigt. Bei den Nordfriesen heißt das Reetdach, übrigens.

Ist das dann meins, wenn da mein Name drauf steht?

Ein rosa Haus. Da will ich wohnen. Ein Naturdach voller Tierchen? Ach, lass gut sein.

Walldorfschule meets Raumschiff meets Strohballen. Eine gelungene Symbiose!

Bauhaus, how do I love thee!

Die Schifferkirche. Die erste Kirche, in die ich, seit Mutti mich nicht mehr hineinziehen kann, freiwillig einen Fuß gesetzt habe. Beide sogar. Schick, wenn auch ein wenig klischeehaft, bei steigenden Energiekosten (und davon reden wir Post-Kernkraft) aber dann doch nicht mein Traumdomizil. Dafür bin ich zu gern nicht so warm eingepackt.

Drinnen ist es auch nett. Für Norwegens Black Metal-Szene kaum mehr als ein passables Lagerfeuer, jedoch komme ich nicht umhin, die spitze Holzdecke und das warme Licht ein bisschen romantisch zu finden.

Direkt neben der Kirche liegt der wirtschaftlichste Friedhof der Welt. Mir wär das ein wenig zu lauschig, aber so erübrigt sich eben mal direkt das Unkraut jäten. Von guter Planung profitiert man eine Weile.

Huch, wer liegt denn da unter der Erde?

Huch, wer liegt denn da nicht mehr so unter der Erde?

Grab-Eule.

Eulen ohne Grab, so gesehen beim legendären Dornenhaus.

Eben jenes legendäre Dornenhaus.

Wir haben natürlich im Künstlerdorf auch Dinge angeschaut, die selbst- wie fremdernannte Künstler geschaffen haben. So auch die Ausstellung “Ahrenshoop-Kaliningrad” (wie mondän das klingt!) im Neuen Kunsthaus. Leider habe ich alle Künstlernamen vergessen. Sollte jemand sein Copyright verletzt sehen, möge er sich bitte einfach namentlich vorstellen bzw. mit der Bitte um Entfernung des Fotos beschweren.

Ein bisschen wie am Müggelsee. Nur mit Sprungturm.

Das Kaliningrad-Haus. Erschließt sich mir nicht. Ist doch kein “K”. Auch im kyrillischen Alphabet nicht, habe ich extra geprüft. Immer diese moderne Ostblock-Architektur. Ick wees ja nich.

Passiert mir auch immer, wenn zwei knutschen.

Das Corpus Delicti. Sollte euch mal der Zufall in diese Ausstellung nach Ahrenshoop verschlagen: Probiert nicht, das Ding aufzusetzen.

Comments
4 Responses to “Mach mal einer das Licht an, Ahrenshoop!”
  1. Phölöpp im Inter-Rocitor says:

    Hahahaha .. großartigst! :D

    Und nu, ab ins Schweitzer Bettli! :D

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  2. Miss Mary says:

    Ach Gottchen, Ahrenshoop! In der bunten Stube war ich mit 10 ungefähr mal. Die Bücher hab ich heute noch. Und das mit Ebbe und Flut an der Ostsee, das möchte ich genauer erklärt haben :) Grandios übrigens das abschließende Bild. Klassischer Gesichtsausdruck vom Mann.

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  3. frank8233 says:

    He, wenn Ihr mal wieder nach Ahrenshoop kommt, geht doch mal in die Klanggalerie “Das Ohr” ;-)
    Wenn Ihr Musik mögt, seit Ihr dort gut aufgehoben
    http://frankkoebsch.wordpress.com/2011/05/08/jazz-meets-classic-mann-trifft-frau-mit-ulrike-mai-und-lutz-gerlach/
    Beste Grüße – Frank

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