Ze Copstache

Wir alle haben dieses Bild im Kopf. Der Idealcop trägt einen Oberlippenbart. Das ist so normal, dass Worte wie “Copstache” im Englischen den Bart und “Oberlippenbart” im Deutschen den Bullen bezeichnen. Übrigens, die rhetorischen Wortfiguren hierfür heißen “totum pro parte” (das Ganze steht für einen Teil) und “pars pro toto” (ein Teil steht für das Ganze). Hallo, Frau Schröder! Ist doch etwas hängengeblieben! Anyhoo. Woher kommt also diese Idee, dass ein Bulle einen Schnurrbart tragen muss? Handelt es sich nur um ein Klischee oder ungeschönte (im wahrsten Sinne des Wortes!) Wahrheit?

Ich bin dem mal nachgegangen und habe meine Freunde, Kollegen und den Dorfältesten befragt.

Zunächst eine kurze Klärung des Untersuchungsgegenstandes sowie der dazugehörigen Begrifflichkeiten. Der Schnurrbart ist wohl die berühmteste und berüchtigste Art der Gesichtsbehaarung. Sogar der Hitler hatte einen. Und was berüchtigt ist, findet meist Anerkennung im Sprachgebrauch: So entstanden zahlreiche Synonyme, die zwar bestenfalls zweifelhafte Komplimente darstellen, jedoch eindeutig die Wichtigkeit dieses Auswuchses herausstellen. Beispielhaft habe ich euch ein paar herausgepickt. Nein, eigentlich habe ich fast alle gelistet, die ich gefunden habe. Ihr wisst ja, geteiltes Leid ist doppeltes Leid:

  • Muschibürste
  • Pornobalken
  • Popelbremse
  • Bauklammer
  • Krillfilter
  • Orgasmusbeschleuniger
  • Scheidenwischer
  • Bröselbesen
  • Filzpappe
  • Fotzenhobler
  • Gesichtsfotze
  • Gesichtshecke
  • Gesichtsmatratze
  • Gesichtsmuschi
  • Hippielippe
  • Lippenbusch
  • Nasennachbar
  • Oberlippengewächs
  • Pommes
  • Schamhaarbart
  • Schenkelbesen
  • Schenkelbürste
  • talking pussy
  • aber auch: Respektbalken.

Wenn ihr bis hier gelesen habt, seid getrost: Das Schlimmste habt ihr hinter euch. Der letzte Fachausdruck – Respektbalken – deutet schon an, worauf ich hinaus möchte. Jetzt werfe ich noch schnell drei Thesen in den Raum, die Argumentation überspringen wir (hat schon an der Uni nie jemand gelesen, und schließlich leben wir in einer Ära umfassenden Information Overloads und damit einhergehender Aufmerksamkeitsverknappung) und dann flugs zum Fazit. Zeit hat ja heutzutage auch keiner mehr.

These I.

Der Oberlippenbartträger soll autoritär wirken. Sein Träger hat möglicherweise kein großes Selbstbewusstsein und versteckt sich hinter einem Oberlippenbusch, der ihn grimmiger, erwachsener und männlicher aussehen lässt.

Das Time Magazine stimmt dem zu und sagt: Oberlippenbärte sind verräterische Zeichen politischen Konservatismusses oder Verehrung der Vaterfigur. In jedem Fall soll das Oberlippenhaar außerdem seinem Träger Potenz attestieren.

These II.

Es handelt sich um einen Pflichtbart ab einem bestimmten Dienstrang (merke: Rookies haben selten einen Oberlippenbart). Eine Mischung aus Gruppenzwang und Gangtattoo für Freunde und Helfer sozusagen. Ein Fall der gefährlichen Ursache-Folge-Verkettung von zu wenig Liebe -> zu wenig Selbstbewusstsein -> Bedürfnis nach Zugehörigkeit?

Das sieht ein promovierter Wissenschaftler ähnlich und sagt sinngemäß: Das Bedürfnis, Gruppenidentität zu stärken erklärt, warum Cops an einem vergangenen Trend festhalten. Menschen neigen dazu, sozialen Zusammenhalt durch Anpassung von Kleidung und Frisur zu schaffen und für die Cops von heute ist Gesichtshaar einfach Teil des Pakets (Steven Zdatny, Ph.D., West Virginia University). Ihr werdet einwerfen, aber Himmelherrgott, Zusammengehörigkeit kann man auch mit lustigen Partyhüten symbolisieren! Mitunter. Mein geschätzter Kollege Mart’n hat die Notwendigkeit des Schnauzers erkannt und die These weitergeführt: Der Oberlippenbart wird mit prominenten Trägern wie Brad Pitt, Jude Law, Daniel Craig und verdammt, sogar der Clooneyschorsch hat mitgemacht, wieder salonfähig. Danach haben ihn erstmal die Hipster vergeiselt, natürlich voll smart als ironischen Schnörres. Und wenn ihn dann keiner mehr sehen kann, entdecken ihn die Cops (wieder) für sich. Ein Trendkreislauf, der schließen lässt: Oll, out und altbacken schafft ein ganz exklusives Gemeinschaftsgefühl. Hip-hip-hurra, sag ich mal.

These III.

Einzelne Stimmen rufen, der Oberlippenbart sei der Versuch, das weibliche Geschlecht “au natural” zu replizieren. Das sind bestimmt auch die, die sich diese ganzen geschlechtsbezogenen Synonyme ausgedacht haben. Klassischer Fall von Freudkomplex, finde ich ja.

Das Fazit aus den Thesen I bis III ergibt ein bedenkliches Bild: Oberlippenbärte sind Spiegelbild einer von Freud- und Vaterkomplexen geprägten Persönlichkeit, die Schutz in Gruppenzugehörigkeit sucht.

Und die Moral von der Geschicht’? Ihr ahnt es schon – die gibt es nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass vielerorts polizeiliche Gesichtsbehaarung schlicht verboten ist. Und wer möchte schon wissen, wie viele imaginäre Schnurrbärte sich in den Polizeieinheiten dieser Welt tummeln? Ich sag mal, 1, 2 oder 3: Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Blaulicht angeht.

Und nachdem hier das Ergebnis wie so oft bei vagen soziologischen Fragestellungen kein Ergebnis ist, greife ich mir noch schnell Fischmob aus dem Kontext: “Na gut, ne Lösung hab ich auch nicht, zumindest keine die lang hält, ich weiss nur ganz genau, was mir nicht gefällt!” und hoffe, dass ein ambitionierter Diplomand eines Tages diese Daten mal erheben wird. Peace & Tatütata!

Comments
3 Responses to “Ze Copstache”
  1. Bambi says:

    Mein Vater trägt seitdem ich ihn kenne einen Oberlippenbart. Danke für die Bilder, die durch ‘Scheidenwischer’ und ‘Orgasmusbeschleuniger’ nun in meinem Kopf herumtoben.

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  2. yohazid says:

    Das Schöne an Oberlippenbärten ist doch, wie man in diversen Subkulturen immer noch damit schockieren kann. “Das kannst du nicht machen!”

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