Nur Fliegen ist schöner.

Ich war in Volvicland. Aber von vorn. Mein teilweise vorhandener Migrationshintergrund erforderte es unlängst, dass ich einer wichtigen Party im Ausland beiwohne: Dem 90. Geburtstag meines Großvaters in einem kleinen Dorf mitten im französischen Zentralmassiv, auch bekannt als das sattgrüne Vulkanparadies aus der Volvicwerbung.

Das klingt natürlich fabelhaft, jedoch erschwerte die Komponente namens “Urlaubstage” das Unterfangen, daraus einen entspannten und erholsamen Trip zu machen. Reisebüro Mutti hat es dennoch vollbracht, für den Samstag eine bezahlbare Fluganreise aufzutun und einen Rückflug für den darauffolgenden Montag zu ergattern.

So weit, so gut. Der Tag der Abreise stand ins Haus und frohen Mutes machte ich mich auf zum Tegeler Flughafen, von wo Air France mich zunächst nach Paris und dann nach Clermont-Ferrand bringen sollte. Durch mein Aufwachsen neben (ja, neben!) dem Frankfurter Flughafen finde ich eigentlich jeden europäischen Flughafen ausser Frankfurt und London Heathrow eher so niedlich und beschaulich. So auch Tegel.

Uh, es ist ein Tegelchen!

Und so erinnerte ich mich auch an meine Zwischenstation auf dem Weg nach Clermont-Ferrand, den Flughafen Charles de Gaulle in Paris, den ich ebenfalls als sehr überschaubar abgespeichert hatte.

Anflug über Paris

Mitunter! Dort angekommen machte ich mich auf den Weg vom Ankunftsterminal B2 zum Terminal G, von dem alle regionalen Destinationen angeflogen werden. Kenner des Alphabets werden jetzt schon eine Augenbraue hochgezogen haben; zu Recht, wie es sich noch zeigen sollte. Ich folgte also den Schildern mit einem ‘G’ und stand auf einmal am Busbahnhof. Damn, mit dem Bus ins andere Terminal? Glücklicherweise kam aber in diesem Moment schon einer, und so stieg ich beruhigt ein und nahm Platz. Bei der Abfahrt leuchteten dann auf dem Bildschirm im Bus die nächsten Stationen auf und ich las mit Entsetzen, dass der Bus 14 Minuten bis Terminal G brauchen würde. Der Haken: Zwischen der geplanten Ankunftszeit in CDG und der Boardingzeit für den Weiterflug lagen genau 30 Minuten. 15 davon waren zu diesem Zeitpunkt bereits in die Vergangenheit weitergezogen. Leicht infarktuös saß ich also da und schaute bei jeder Station den freundlichen Busfahrer etwas grimmiger an, wenn doch noch jemand angerannt kam und er die Türen freundlicherweise doch noch einmal öffnete. Jaja, das ist voll nett, aber hier so, keine Zeit! KEINE ZEIIIIIT! Nach der zweiten Station malte ich mir längst en Detail aus, wie ich gleich bei der Autovermietung mit Tränen in den Augen meine letzten Euro auf dem Tresen ausbreiten und um einen Ford Ka mit 5 PS betteln würde. Der Bus schaffte es wider Erwarten innerhalb der avisierten Viertelstunde zum Terminal G. Ich stieg aus, hetzte zum Gate und stellte fest, dass ich im Prozess meiner Wiedereingliederung in Deutschland völlig vergessen hatte, wie es in Frankreich eigentlich zugeht. Anders nämlich. Da war noch niemand am Einsteigen, nicht einmal das Flugzeug stand am Gate. Und wer hat das alles bei der Buchung des Fluges bestimmt geahnt? Die französische Mutti. Naturellement!

Dann rollte mein Transportgefährt an und mein Herz machte erneut Anzeichen auszusetzen. Auf einem Maßstab von Handtasche bis Airbus A380 lag das Flugzeug, in das ich gleich einsteigen sollte, größenmäßig auf jeden Fall näher an meiner Handtasche.

Keine Flugzeugbrücke, kein Gangway: Ein in die Tür integriertes Treppechen zum Ausklappen.

Mein Handgepäck war zu groß für die Mitnahme im Fluggastraum.

Aber was will man machen, Mutti hatte die Katze im Sack gekauft. Also rein. Ich widmete mich im Folgenden meiner frisch eingesteckten FAZ, und was soll ich sagen, das Titelblatt war wie für mich gemacht:

“Piloten des Air-France-Fluges überfordert” …WTF!

Ich schaffte es aus rational nicht erklärbaren Gründen gesund nach Clermont-Ferrand, wo die Mutti mich abholte und in die Pampa brachte. Die Mutti, die ich selbstverständlich direkt auf ihre geniale Buchung aufmerksam machte, konterte nur trocken: Ja, ich dachte mir schon, dass das vielleicht knapp wird, aber ich habe auf meine kluge Tochter gesetzt. Da fiel mir auch nichts mehr zu ein.

Zur Kenntnisnahme: Der Puy de Dôme im Hintergrund.

Der eigentliche Spaß sollte jedoch mit meiner Ankunft in dem Dörfchen beginnen. Und ganz ehrlich, obwohl ich mit dieser Familie aufgewachsen bin, war ich mehr als einmal perplex. Ich habe mich entschieden, meinen Berlin-Dorf in Volvicland-Kulturschock lieber nicht mit euch zu teilen. Es ist einfach zu wahr, um vorstellbar zu sein.

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3 Responses to “Nur Fliegen ist schöner.”
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  1. […] sorgsam für die FDP angestauten Hass direkt freisetzten. Sicher erinnert ihr euch noch an meine erste Reise ins Volvicland. Als die Mutti sich erneut anbot, die Reise zu buchen und damit ein To Do von meiner Liste zu […]

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  2. […] Bereits beim Gedanken ans Einchecken und Fliegen schaudert es mir, ist doch bislang immer etwas schief gegangen, wenn ich lässig irgendwo hinfliegen wollte. Diesmal flutscht alles. Ich […]

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  3. […] fängt gut an. Die Anreise gelingt zum ersten Mal völlig stressfrei (wenn man den fürchterlichen Kater, den ich infolge einer durchzechten Nacht […]

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