Hühnerei(s), Blaskunst und Gott im Ruppiner Land.

Drei Tage frei. Das sind 72 Stunden. Das ist verrückt viel und selbst, wenn dann die Bude sauber, die Wäsche gewaschen, der Einkauf erledigt und die Katze bespaßt ist, bleibt noch ziemlich viel Zeit übrig. Freizeit. Freizeit. Ich starre das Wort an und wundere mich, dass es merkwürdig klingt.

Ich beschloss, etwas daraus zu machen und fuhr – wie immer, wenn ich kein konkretes Ziel habe – Richtung Norden, auf die B96. Da ich in Rheinsberg schon war und die Prignitz zu weit enfernt, bog ich spontan Richtung Löwenberger Land und damit auch Richtung Stechlinsee ab. Der Stechlinsee hat wie auch Rheinsberg diesen Fontane-Beigeschmack, und Fontanefreunde pilgern da wohl hin auf den Spuren nach Wahrheit in der Dichtung. Das Haus Bernadotte halten wohl viele für Schloss Stechlin, aber sie irren. Sagt ein Schild vor der verwachsenen Villa.

Nicht Schloss Stechlin. Ausnahmsweise habe ich nicht das Schild, sondern das bezeichnete Objekt fotografiert.

Überhaupt ist Neuglobsow, das Dorf mit Seeanbindung, eher eine Touristenfalle. Die Straße, die zum See führt, ist gesäumt von kostenpflichtigen Parkplätzen (in jeder Seitenstraße gibt es zahlreiche kostenfreie), Gaststätten mit großen Namen wie “Fontanehaus”, Hotels und Glasbläsereien. Sogar Eis kann man dort kaufen! Vom Hahn! In allen Farben!

Bunte Kugeln mit Hahn, in 12 Sorten.

Eine kleine Kirche gibt es in Neuglobsow, wie in den meisten brandenburgischen Dörfern, ebenfalls. Ich bin ja großer Fan von Autoritäts- und Machtstrukturen, also riskierte ich einen Blick. Aus dem Kirchenflyer erfuhr ich, dass die Kirche erst 1952 erbaut wurde und zwar auf einem Grundstück, auf dem zuvor ein Glasmacherschuppen stand. Noch heute findet man wohl Glasklumpen im Boden. An dieser Stelle verweist der Flyer auf das kostenpflichtige Glasmuseum. Da ich daraufhin jenes Museum aus Trotz nicht besuchte, ist das das Ende dieser Geschichte. Die große Linde vor der Kirche ist angeblich ca. 150 Jahre alt. Sagen dem Flyer zufolge Experten (ich hoffe, es sind Baumexperten gemeint)!

Adventskirche Neuglobsow

Von innen sieht das so aus. Siehe Dein König kommt zu Dir. Achtung, Achtung!

König Jesus in da house!

In der Kirche lagen Postkarten aus. Kirchliche Probeabokarten! Ich bin innerlich ein bisschen ausgekekst. Leider fehlt auf der Karte der Rechtstext sowie das Posthorn. Ob ich trotzdem ein Probeabo bestelle? Endet schließlich automatisch, und ohne Opt-In, dass “Die Kirche” (welch mächtiger Name!) mich kontaktieren darf, kann sie mir mal gar nix! Ha! Mein Favorit ist übrigens die Headline “Beter sind Realisten”.

Die Kirche ist gut für den Kopf, aber nicht für die Augen: Das Bild ist gar nicht unscharf, die Schrift ist schattiert! Ein Hurra für den Gestalter!

Jetzt aber! Der Stechlinsee.

Der große Stechlinsee ist wirklich groß. Frei nach Vati Briest: Das ist ein weiter See! Man kann ihn umwandern – muss man aber nicht. Deswegen erhaltet ihr hier einen beschränkten Einblick mit tollem Ausblick. Die Badestelle von Neuglobsow ist an sonnigen Tagen wie dem gestrigen recht voll. Dafür gibt es einen Hauch Infrastruktur in Form eines Kiosks und eines Bootsverleihs. So eine Bootstour ist nicht teuer, sehr idyllisch und daher Pflichtprogramm. Der Haken: das lästige Rudern. Note to self: männliche Begleitung von Nöten. Auch zum Baden lädt der See ein, da er meine wichtigste Prämisse erfüllt: Man kann hier im Wasser stehend jederzeit seine Füße sehen. Wirklich schön. Würde man den See umwandern (17 km Strecke!), käme man am stillgelegten AKW Rheinsberg vorbei. Strahlenromantik mit Seepanorama, macht das mal jemand mit mir?

Klick zum Lesen.

Der große Stechlinsee. Schee.

Glasklar und total bebadbar.

Bäume auf der (Teil-)Umwanderstrecke. 1, 2, 3, viele. Das heißt dann Wald.

Mahalo!

Comments
3 Responses to “Hühnerei(s), Blaskunst und Gott im Ruppiner Land.”
  1. Jule Müller says:

    Ich habe mich da im Frühling mal zum Schreiben hin verzogen. Nach Neu-Globsow – zwischen Pferde und Wald in eine Ferienwohnung.
    Mein Mitreisender Jan schrieb dann später über unsere Seeumrundung auf dem Rad: http://www.brandenburg-reise.com/seen-gewaesser/radtour-rund-um-den-stechlinsee

    Leider war das AKW geschlossen. Ich komme gerne mal mit zu einer Führung (jeden zweiten Mittwoch um 13 Uhr).
    In der Kirche war ich als Fan Jesu natürlich auch. Da kommen Erinnerungen hoch. Danke dafür.

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    • lotterrr says:

      Ach, da war das?
      Oh, Mittwoch um 13 Uhr? Das ist ja mal arbeitnehmerfreundlich. So arbeitnehmerfreundlich sogar, dass man dafür gleich einen ganzen Tag frei nehmen muss! Dann wohl nächstes Frühjahr… Deal?

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  2. Manuela Balzer says:

    Also ich bin dort aufgewachsen u. in den Kindergarten gegangen….meine Mutter hat dort gearbeitet u. ich habe trotz oder auch wegen DDR eine tolle Kindheit gehabt…alles war noch so geprägt von der Geschichte u. alles war so urig u. verträumt! Ich gebe zu, dass sich dort viel verändert hat aber alles ist nicht schlecht u. gefaked auch nicht! Ich bewahre mir im Herzen wie es damals dort war….und der Baum….wie auch viele andere sind wirklich soooo alt!

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