Frau Lotte auf zwei Rädern, heute: motorisiert.

Ich bin ja immer offen für Neues. Auch wenn es nichts mit Karl Rove oder Stöckelschuhen zu tun hat. Kann man ja mal machen! Das wussten auch meine lieben Freunde, als sie sagten: In Treuenbrietzen ist ein Motocross-Rennen und der Kollege aus dem Laden ist dort Streckenposten. Da fahren wir mal hin und schauen ihm bei der Arbeit zu. Da dachte ich natürlich, super, ein Ausflug ins Brandenburgische, wie schön!

Mitunter! Die Anfahrt war nämlich per Mopped angedacht. Zwei Räder, kein Dach (Regen! Überschlag! Wind!), kein Puffer. Nachdem ich nun schon weiss, dass Fahrradfahren mir nix ist (auch, weil die Ostberliner Straßensituation unlustige Risiken birgt), war ich beim Mopped direkt skeptisch. Zudem bin ich dann ja mangels Todesmut (und folglich mangels geeignetem Führerschein) immer die Bikerbraut hinten drauf und damit völlig machtlos. Aber nicht nur das. Mit Sportmoppeds irgendwohin fahren heisst auch: keine Heels, keine Handtasche. Da fühle ich mich dann schon etwas amputiert. Da hier kein Verhandlungsspielraum zugelassen wurde und mein Ausflug aufs Land zu platzen drohte, nickte ich meine Entfeminisierung ab und nahm auch eine haarbrechende Helmfrisur billigend in Kauf. Es folgte prompt der Nachsatz: Aber, Frau Lotte, diesmal fahren wir etwas schneller. Ich liebe vollendete Tatsachen. Notiz am Rande, beim letzten Mal wurde ich mit 180 km/h über die Autobahn geprügelt. Etwas schneller, was bedeutet das denn konkret und in Zahlen, wollte ich wissen. So 200, 270 km/h. Ah! Welch feiner Unterschied zwischen diesen beiden Angaben!

Es folgte eine interessante Erfahrung. Ab 180 km/h ist nicht mehr so viel mit links und rechts die Pampa auschecken. Auch mein langer Hals, von zahlreichen Hals-Nase-Ohren-Profis für schön erklärt, schrumpfte etwa auf die Hälfte zusammen. Und dann ging dieses Klackern los. Ich fragte mich ein bisschen besorgt (für ausschweifende Panik gibt es in der Situation keinen Bewegungsspielraum), ob das Mopped nun auseinanderfällt und wartete auf eine Reaktion meines Fahrers. Der machte jedoch keine Anzeichen, langsamer zu fahren oder die bedrohliche Situation überhaupt vernommen zu haben. Daher beschloss ich, die Option “wir werden alle steeeeerben!” auszuschließen und suchte weiter nach dem Ursprung des Geräuschs. Ob mein Visier nicht richtig geschlossen war? Das konnte es auch nicht sein, sonst würde es bei diesem Tempo doch mächtig hineinziehen. Und auf einmal verstand ich: Das stete Klackern entstand aus dem Hagel verendender Insekten an meinem Visier. Ah, Motorradfahren ist echt etwas feines.

In Treuenbrietzen angekommen fuhren wir auf einen Acker am Ende des Dorfes. Ein Cocktailbüdchen und ein Kommentatorenzelt stimmten uns auf die festliche Atmosphäre ein. Am Rande der Strecke standen vereinzelt Zuschauer – bestimmt alles Freunde und Familien der Fahrer. Auf der Rennstrecke (oder dem Parcours, oder wie das eben heisst, wenn ein Platz mit verschieden großen Sandhaufen von Moppeds befahren wird) fuhren eine Vielzahl an Crossmaschinen meines Erachtens völlig durcheinander. Das sah in keinster Weise nach Rennen aus, und dass sie nicht ständig aufeinanderprallten grenzte für mich an ein Wunder. In echt! Ich habe in diesem Moment meine Erkenntnis allerdings lieber für mich behalten, da die Boys ganz interessiert zuschauten und diesen Zustand puren Chaos anscheinend nicht wahrnahmen. Oder gar normal fanden. Bestimmt haben sie nur nicht richtig hingesehen.

Schauplatz des Geschehens

Zugegebenermaßen sah das, was sie da im Einzelnen fabrizierten, ganz spannend aus. Hier eine Situation aus dem überschaubareren Zweierrennen:

Staub fressen zum immerwährenden Geräusch eines in die Jahre gekommenen Mixers.

Der Gipfel der Niedlichkeit ist übrigens Kinder-Motocross. Heisst dann Minicross (mehr dazu, v.a. topherzallerliebste Bilder hier).

Alles in allem ist Moppedfahren auch nicht so doof. Zumindest, so lange man irgendwo auf einen Acker fährt, wo man weder Geld noch Ausweis benötigt und die Helmfrisur zu den Trends von morgen gehört.

Comments
3 Responses to “Frau Lotte auf zwei Rädern, heute: motorisiert.”
  1. The Aal says:

    Mit dem Motorrad über die Autobahn zu brettern, ist traurige Scheiße. Und ein Ort namens Treuenbrietzen vermutlich auch.

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Trackbacks
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  1. […] Trecker anschauen, anfassen und vielleicht auch über einen sandigen Parcours jagen dürfen (sandiger Parcours, da werden Erinnerungen an Treuenbrietzen wach!). Ich bin schon ganz aufgeregt, das Peter Maffay-Double Steppenwolf (nicht die amerikanische Band! […]

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