Nackt in Neuruppin

Unlängst an einem Sonntag, es war ein fürchterlich eisiger Wintertag in der Hauptstadt, geschah es: Ich wachte vormittags gesund und unverkatert auf. Da habe ich nicht lange gefackelt, die to dos des Wochenendes geschwind ignoriert und meine Badesachen gepackt. Endlich war der Tag gekommen, auf den ich eine Weile gewartet hatte: Die Wetterbedingungen (fiese Minustemperaturen) waren gegeben, der Tank glücklicherweise noch recht gut gefüllt, ich rechtzeitig aufgewacht und die Begleitung meiner Wahl willig. Auf, auf ins Ruppiner Land, genauer: in die Fontane-Therme in Neuruppin.

Nach nicht einmal einer Stunde entspannter Autobahnfahrt erreichten wir Neuruppin. Die Fontane-Therme liegt direkt am Ruppiner See, der an diesem Tag ganz zugefroren war. Ganz? Nein! Ein von einer unbeugsamen Entenschar besetztes Loch im Eis hört nicht auf, dem Frostbeulengott Widerstand zu leisten:

Echt, da möchte ich nicht tauschen.

Wir betraten die Therme und anstelle des unbehaglichen Gefühls von Pilzkulturen und Warzenviren trat sofort vollkommenes Wohlbefinden. Das liegt mitunter an der Architektur des Baus, die meinem obsessiv-kompulsivem Charakter entspricht: Das Design besticht durch klare Linien, die durch Stein, Glas und dunkles Holz sehr ansprechend und geschmackvoll kontrastiert werden. Ein Traum. Und: sauber. Ich habe mich zwischenzeitlich so wohl gefühlt, dass ich meine Badelatschen auf dem Weg ins Wasser kurz neben meiner Liege vergaß – ich schwör, das gab’s noch nie!

So, weswegen aber der vorangegangene Terz ums Wetter? Ganz einfach: Die Therme verfügt über ein traumhaftes Sole-Außenbecken mit Blick auf den direkt davor liegenden See. Und was für ein schöneres Setting kann es geben, als sich in dampfend warmem Wasser bei -20°C Außentemperatur treiben zu lassen und dabei das fantastische Eislandschafts-Panorama des großen Ruppiner Sees zu genießen? Eben(d).

Das Panorama:

Das Solebecken:

Aus dem Solebecken zurück an meiner Liege angekommen (mit Handtuch reserviert, man ist da ganz deutsch!), kam dann der Schock: Ein ganz gemeiner Fiesling (bzw. für die Genderer unter euch: eine ganz gemeine Fieseline) hatte meine InTouch geklaut! Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, zumal ich sie noch nicht gelesen hatte und mich völlig im Unklaren darüber befand, warum Rihanna denn nun Chris Brown auf pathetischste Weise stalkte und warum Heidi Klums Scheidung nur ein PR-Gag sei. Grimmig beschloss ich, mein Eigentum zurückzuholen und machte mit strengem Blick (den kann ich besonders gut) eine Runde um den Pool, bei der ich jede Liege und jeden Liegenden genaustens inspizierte. Außer einem sehr, sehr haarigen Rücken, der aus der Entfernung wie ein riesiges Tattoo aussah, fand ich jedoch nichts Verdächtiges. Noch grimmiger kehrte ich zurück an (immer noch) meinen Platz. So war ich nun also um 50% meiner für den entspannten Aufenthalt mitgenommenen Lektüre gebracht worden. Das wirklich Perfide daran: Die Life & Style hatte der dreiste Dieb liegengelassen.

Jetzt hatte ich also Hallenbad und Außenbecken gesehen. Obwohl ich  zu diesem Zeitpunkt längst hochzufrieden mit meiner Thermenwahl war, musste natürlich noch die Saunalandschaft ausgecheckt werden. Das ist nicht ganz so einfach, denn ich bin Wessi und damit auch ein Nackt-in-der-Öffentlichkeit-Klemmi. So schlich ich gefühlt eine halbe Stunde lang in mein Handtuch gewickelt von einer Saunatür zur nächsten, spannte in jede davon blitzschnell hinein und entschied immer wieder, dass in der jeweiligen Sauna immer noch zuviele Leute schwitzten. Doch mein Moment kam: Das Dampfbad war fast leer und ich huschte hastig hinein. Wie irrsinnig entspannend so eine Lauwarm-Sauna voller Luftfeuchtigkeit ist, brauche ich sicher keinem mehr zu erzählen. Interessant fand ich jedoch die Akustik des Raumes: Hier werden die Soundtracks zu Horrorfilmen aufgenommen, das weiss ich jetzt! Die Geräusche, die die flüsternden Menschen am anderen Ende des Dampfbades erzeugten, waren definitiv spannend.

Was ich leider nicht über mich gebracht habe, war das Ausprobieren der Seesauna. Die soll wirklich erlebenswert sein – leider muss man aber über eine Brücke dorthin, und bei Temperaturen von -20°C und vereistem Boden war mir das einfach nix.

…und die Moral von der Geschicht’: hingegangen, es ist URST SUPERDUPER dort.

Die  beiden Thermen-Bilder sind übrigens von der Website der Fontane-Therme entliehen.

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