Du elender Geldsklave!

Geld regiert die Welt. Bei Geld hört die Freundschaft auf. Wir gehen arbeiten, überfallen Banken, verkaufen Drogen – und alles für das liebe Geld, das sich gegen Annehmlichkeiten jedweder Art eintauschen lässt. Geld ist das neue Schwarz. In bunt:

Ich finde Geld wirklich beschissen. Es nervt mich, dass es mich zwingt, morgens aufzustehen und arbeiten zu gehen. Nicht, dass meine Arbeit schlecht wäre. Ich könnte mir nur eine Reihe Aktivitäten vorstellen, die ich an einem sonnigen/eisigen/verregneten/nebligen/schwülen/kalten/trockenen/heiter bis wolkigen Sommer-/Herbst-/Winter-/Frühlingstag lieber machen würde.

Aber es geht nicht ohne, das wissen wir alle. Wir brauchen dieses beknackte Geldzeugs. Aus diesem Grund horche ich immer wieder auf, wenn ein bestimmtes Thema im Privatfernsehen Beachtung findet:

Geldsklaven.

Wie beim Casting (zum Gipsfetisch bitte hier entlang) handelt es sich bei der in Fachkreisen sog. “Financial Domination” um einen sexuellen Fetisch, praktischerweise jedoch mit ohne Anfassen!

Bei Geldsklaven ist der Name Programm. Der Term ist ganz offensichtlich vom “klassischen” (historisch begründeten) Sklaven abstrahiert: Der Geldsklave ist nichts wert – außer sein Geld. Das gilt natürlich nur für seine Herrin, denn im Unterschied zum traditionellen Leibeigenen hat der Geldsklave ein Leben. Irgendwo muss das Geld ja auch herkommen. Das Prinzip liegt auf der Hand: Die Herrin fordert das Geld des Sklaven ein, und de retour erhält er jene Demütigung, die die Herrin der jeweiligen finanziellen Leistung angemessen erachtet. Geben und Nehmen, Baby. Nichts ist umsonst im Leben.

Eine Herrin von Klasse hält sich natürlich nicht nur einen Geldsklaven, sondern gebietet gleich über ein wesentlich rentableres Sklavengefolge. Hierbei gilt: Wie in jeder Gesellschaft lässt sich das System um Hierarchieabstufungen erweitern. So kann ein kleiner Geldsklave zum Beispiel für die stetige Beschaffung minderwertiger Dinge des Alltags wie Zigaretten oder Champagner zuständig sein, während ein besserer Geldsklave für die Loubous oder den Shopping-Trip nach New York sorgt.

Der kleine Geldsklave, der zwar sehr nützliche, aber eben nur Güter vergleichsweise niedrigen Wertes finanziert, erfährt für seine Dienste nur wenig Geringschätzung (man beachte, Verachtung ist die Währung!). Das ist wie mit gesellschaftlich notwendigen, aber schlecht bezahlten Berufen. Der hochrangige Geldsklave hingegen, nennen wir ihn der Abgrenzung halber gleich Goldesel, darf sich für seine Taten beizeiten einer verachtenden E-Mail, einer Video-Demütigung oder der Gelegenheit erfreuen, einen benutzten Lippenstift zu ersteigern.

Wie in jedem ordentlich geführten Staat empfiehlt es sich, eine breite, unterdrückte Unterschicht zu halten, die den Betrieb am Laufen hält. In den höheren Schichten kann sich die Anzahl der Sklaven dann ausdünnen, schließlich verfügen diese ja auch über mehr Mittel und decken jene Sparte ab, das nicht das tägliche Wohl absichert, sondern vor allem das savoir vivre optimiert. Sklaven findet man in entsprechenden Portalen (Google hilft) bzw. dürfen sie sich dort bei ihren Herrinnen in spe bewerben. Hier sollte die moderne Herrin nicht zu wählerisch sein. Geld stinkt nicht. Sorry, Jungs: Anscheinend sind Geldsklavinnen deutlich seltener. Vielleicht solltet ihr euch für eine Frauenquote einsetzen!

Da dieser Blog kein seriöses, journalistisches Angebot darstellt, sehe ich mich momentan nicht berufen, meine Aussagen durch einen Selbstversuch auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. (UPDATE: Das ist purer Unfug. Bewerbt euch, die Reichsten werden die Ärmsten sein, promise.)

Sollte sich also jemand besser (also schlechter, also besser) fühlen, wenn er mir mein nächstes Paar Loubous sponsort, ist derjenige natürlich herzlich dazu eingeladen, dies zu tun.

Ich benötige diese hier, in Größe 38.5 (klick den Link, Paypig!):

Meinetwegen auch in Zusammenhang mit dem auf der verlinkten Seite abgebildeten Balmain-Blazer. Da will ich nicht so sein. Aber ihr seid es wohl kaum wert, mir diese Schuhe zu kaufen. Wie ärmlich! PS: Ich nehme Gold, Silber und Monopoly-Geld. Ohne Los nichts Moos.

Comments
8 Responses to “Du elender Geldsklave!”
  1. Wolfgang Wüst says:

    Ganz schwach. Du hättest den Unterschied zu einer handelsüblichen Zahnarztgattin nuancierter herausarbeiten müssen.

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  2. “Ich finde Geld wirklich beschissen. Es nervt mich, dass es mich zwingt, morgens aufzustehen und arbeiten zu gehen.”…perfekt gechrieben. Diese elende, fiese, uns verarschende Endlos-Schlaufe zwischen Buero und Bett.

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  3. Anonymous says:

    Das ist deine einmalige Gelegenheit mein erster Geldsklave zu werden (aber bild dir ja nicht ein, du könntest der einzige bleiben…)! Ich will dein Geld und sonst nichts! Glaub ja nicht, dass du irgendeine Gegenleistung dafür erhältst!
    100% anonym und ohne Verpflichtungen. mail to: LadyLux@gmx.de

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  4. Mike says:

    Sehr schöner Blogartikel! Lob von einem selbst diesen Fetisch auslebendes Individuum der “leidenden Seite”.

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    • Die Regierung says:

      Vielen Dank, Mike!

      Doch, ach! Wenn du noch loben kannst, scheint dein Leid sich in Grenzen zu halten. Die Regierung muss dringend in die Rüstungsindustrie (lies: Schuhe) und Soziales (lies: Freunde betrunken machen) investieren, Wahlkampf und so, du verstehst. Hast du deine Steuern schon bezahlt? Ich glaube fast, dein Steuersatz hat sich gerade erhöht. ;)

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