Nur Fliegen ist schöner. Diesmal wirklich!

Eigentlich wollte ich mich nochmal zum Thema Wahlkampf äußern. In meinem Kopf hatte sich längst ein ausführlicher FDP-Rant zusammengebraut, der nur darauf wartete, sich in all seiner Grausamkeit zu entfalten. Eisige Spitzen wie Hagelkörner, gesammelt abgefeuert, Schrotflintenstyle. Zugegebenermaßen ist die organisierte Gruppe von Fast Drei Prozent (unter Insidern bekannt als „Projekt 18“) auch eine extrem dankbare Zielscheibe. Denkt ihr bei den Plakaten mit blauen Parolen auf gelbem Fond auch immer an EDEKA? Seht ihr im Brüderle-18/1 auch dieses schelmische Grinsen ins Leere und fragt euch, ob da Titten herausretuschiert wurden? Und dann diese witzigen Kandidaten, unter denen schmissige Schlagworte wie „Freiheit!“ stehen… Die möchte sicher nicht nur ich jedes Mal mit schwarzem Edding um Gitterstäbe über ihren weichgezeichneten Fressen ergänzen. Anyhoo. Ich verschob das Verfassen meiner herausragenden FDP-Plakatkampagnenanalyse aus praktischen Gründen in meinen Urlaub.

Die Mitte (rechts im Bild) entlasten.

Oder war es doch Edeka? (Sorry, M4D Photoshop Skillz sind eben nix ohne Photoshop. Shit!)

Freiheit für die politischen Gefangenen!

Aus politischen Gründen verfremdet: Silhouette einer schönen Blondine mit Hochsteckfrisur (rechts).

Den Urlaub anzutreten brachte jedoch ungeahnte Komplikationen mit sich, die sämtlichen, sorgsam für die FDP angestauten Hass direkt freisetzten. Sicher erinnert ihr euch noch an meine letzte Reise ins Volvicland. Als die Mutti sich erneut anbot, meinen Flug nach Clermont-Ferrand zu buchen und damit ein To Do von meiner Liste zu streichen, ließ ich das entsprechend freudig zu – unter einer Bedingung: „Bitte nicht die unmögliche Verbindung!“, rang ich ihr ab. Und die Mutti so: „Na klar, ich werde darauf achten, dass du in Paris genug Zeit zum Umsteigen hast.“

Gesagt, getan. Die Uhrzeiten auf dem Ticket sahen entspannt aus, Abflug mittags, reichlich (aber nicht zu viel) Zeit zum Umsteigen – easy. Als der Tag der Abreise endlich anbricht, mache ich mich gelassen auf den Weg nach Tegel, denn ich bin ideal vorbereitet: Die Wohnung ist in vertrauensvolle Hände abgegeben, ich bin ausgeschlafen, habe meine Buchungsbestätigung bei mir und überhaupt kann mit Air France ja eh nichts schief gehen. (Ist ja nicht Ryan Air!) Im Bus prüfe ich aufgrund einer spontanen Panikattacke, ob ich auch wirklich ab Tegel fliege – check. Eine solche Schrecksekunde wäre mir früher nie gekommen, jedoch fallen in meinem Umfeld seit einiger Zeit immer wieder Kandidaten auf, die sich teilweise sogar wiederholt rechtzeitig am falschen Berliner Flughafen einfinden. Ich lehne mich beruhigt zurück, in ein paar Stunden werde ich mitten im Nichts sitzen und dem Gras beim Wachsen zuhören.

Am Check In erwartet mich dann der erste Bummer: Zwei von fünf Check In-Automaten sind außer Betrieb. Direkt daneben sind vier Air France-Schalter mit Mitarbeitern besetzt, die jedoch sämtlichen potenziellen Passagieren höflich den Check In verweigern und nur Koffer entgegennehmen. Grummelnd stelle ich mich in der Automatenschlange zum Einchecken an. Eine gute halbe Stunde lang verfluche ich die lahmen Technik-Legastheniker vor mir, die ewig für ihre Check Ins brauchen, und lasse ich mich genervt vorwärts schubsen, bis ich endlich an der Reihe bin. „Jetzt zeig ich diesen Opfern mal, wie schnell das geht!“, denke ich mir und schiebe meinen Pass zur Authentifizierung ein. Zwei Destinationen werden gefunden. Ein bisschen komisch finde ich das schon, drücke aber einfach auf Paris. Dann bricht der Computer den Vorgang ab. Nochmal von vorn. Nix. Es kommt ein Ausdruck heraus, auf dem fett gedruckt „Hilfe am Schalter erfragen“ zu lesen ist. Jetzt fühle ich mich opfrig. Ich bin soeben von einem Automaten gedemütigt worden, der einem dümmeren Menschen den Arbeitsplatz geklaut hat. Vor allen anderen, die ich eben noch für lahm und dumm hielt. Bäm, das sitzt. Ich trete beiseite und werfe einen Blick auf meine Buchungsbestätigung. Was folgt ist ein kurzer Herzstillstand: Die Anreise war laut Ticket für heute vor einem Monat gebucht.

Der Tag stimmt, der Monat… war schon.

Ja fein! Ich beschließe, dennoch auf naiv am Schalter vorzusprechen. Klappt auch kurz, denn der freundliche Herr weiß zunächst auch nicht, warum ich auf keiner Passagierliste stehe. Ich schwitze und frage mich nicht ob, sondern vielmehr wann er den Fehler bemerken wird. Er bemerkt ihn nicht. Hilflos wendet er sich an seine Kollegin, die leider total profinenmäßig sofort checkt, was los ist. Der freundliche Herr kommt mit mitleidsvoll-amüsiertem Gesicht zurück: „Ich habe sehr schlechte Nachrichten.“ Auf meine Frage, was ich nun tun kann, verweist er mich auf die Kollegen am Ticketschalter. Ich füge mich der Aussicht, gleich gut draufzuzahlen und bewege mich dorthin.

Dort angekommen bedeutet mir der Herr am einzigen freien Schalter auf Englisch, kurz zu warten und fängt erstmal an zu telefonieren. Was sich mir im Folgenden offenbart, finde ich für einen Servicemitarbeiter am Priority-Schalter ziemlich extravagant: Er weist seinen Gesprächspartner auf einen „Libanesen im grauen Anzug“ hin, der gepöbelt und mit Kraftausdrücken um sich geworfen haben soll. Nachdem die Info übermittelt ist, verfällt er in ausschweifende Umschreibungen, was er mit diesem unliebsamen Kunden gern machen würde. Ich höre natürlich gespannt zu, schließlich bin auch ich Air France-Kunde und möchte lieber gleich Bescheid wissen, was man mit denen so tut, bevor ich mein Fass aufmache. Nachdem ich „an die Wand klatschen“, „die Fresse polieren“ und zahlreiche Synonyme vernommen habe, stelle ich mich lieber an den Schalter der freundlichen Inderin mit den großen Augen und dem lachenden Gesicht.

Meine Freude über die hilfsbereite Dame überwiegt in diesem Moment zu sehr, um hier eine „guter Bulle, böser Bulle“-Taktik oder gar eine Verkaufskonspiration zu wittern. Die freundliche Dame erklärt mir, dass mein Flug verfallen sei. Komplett. Denn wenn man den Hinflug nicht antritt, verfällt auch der Rückflug. Ich spüre ein schmerzvolles Zucken in der Portemonnaiegegend. Es gebe zwar heute Abend noch eine Verbindung, aber der Flug nach Paris sei bereits über(!)bucht. Auch für den Folgetag hat sie nichts. Erst am Dienstag könne ich es nochmal versuchen – für 550 Euro. In diesem Moment schnappatme ich und google erstmal selbst die Tarife. Das erstbeste Flugportal bietet mir bereits für den Folgetag einen Flug für vergleichsweise günstige 320 Euro an, den ich nach erfolgreicher Überprüfung der Verfügbarkeit des Flugplatzes beim Anbieter (also Air France) über dieses Portal sofort buchen kann. Nix mit überbucht hier, und nix mit 550 Euro. Mit den Daten auf meinem Smartphone-Screen stapfe ich wutschnaubend zum Schalter zurück und konfrontiere die Dame, deren gemeines Spiel mit Opferkunden ich hiermit wirksam durchschaut habe. Mit großen Augen erklärt sie mir: „Das liegt am Internet, das wird nicht so schnell geupdatet.“ Errr….W00t? Mit mir kann man’s ja versuchen, schließlich ist dieses Internetz ja für uns alle Neuland. Sie fährt fort: „Buchen Sie das bitte nicht, die Flüge nach Paris sind überbucht und Sie werden dann trotzdem hier bleiben.“ Jetzt bin ich sauer. Ich verzichte jedoch auf das Risiko mich an die Wand klatschen zu lassen und fahre erstmal heim.

Einen Schnaps später lässt sich bei Air France direkt ein Flug für den Folgetag buchen. Einen weiteren Schnaps später checke ich online ein und als ich eine Sitzplatznummer erhalte, bin ich halbwegs zuversichtlich, das Flugzeug von innen zu sehen. In your face, arschgemeines Ticketschalterpersonal!

Am nächsten Tag wackle ich vor zum Baggage Drop und werde herzlich von dem Herrn vom Vortag begrüßt: „Na, haben Sie ein neues Ticket gekauft? Das tut mir so leid!“ Ich glaube ihm, sein Charme wirkt ehrlich. Die Schmach der Wiedererkennung sitzt dennoch.

Die Reise verläuft im Wesentlichen wie bereits vor zwei Jahren. Es ist wieder die unmögliche Verbindung, garniert mit der besonderen Herausforderung, dass ich diesmal an einem anderen Terminal in Paris lande und die Schilder zum Shuttlebus zum abgelegenen Terminal 2G ins Leere führen. Irgendwo zwischen Rohrspatz und Seemann hetze ich wild fluchend über den Flughafen, vorbei an diversen Schildern mit durchgestrichenen Fußgängern, heranrasenden, hupenden Autos und irrational gestikulierenden Reisebusfahrern. Wie William Foster in Falling Down habe ich nur noch das Ziel (und damit stets auch die Uhr) im Auge. Und dann wird alles gut: Ich kriege meinen Anschlussflug und sogar mein Gepäck erreicht Clermont-Ferrand.

Wenig später komme ich im Nichts an. Die Nacht ist schwarz, lediglich die Grillen zirpen und ab und zu flattert eine Fledermaus an meinem Fenster vorbei. Ich gackere in mich hinein, ungläubig, wie still es auf einmal ist und schlafe zufrieden ein.

Am nächsten Morgen: meine Aussicht aus dem Bett. Guude!

Ich fahr dann mal ins Dorf…

…Speed Pockets auffüllen.

Stimmt. Im Süßigkeitenladen interessiere ich mich nur für die bunten Phallollies. Sweet!

Kulturstuff: Die Oper in Vichy. Hier singt demnächst Frau Sarkozy.

Oper Vichy, Close-Up. Die Architektur erinnert mich an…

…das da.

Schöss, Freunde!

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  1. […] Bereits beim Gedanken ans Einchecken und Fliegen schaudert es mir, ist doch bislang immer etwas schief gegangen, wenn ich lässig irgendwo hinfliegen wollte. Diesmal flutscht alles. Ich muss mich beim […]

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  2. […] fängt gut an. Die Anreise gelingt zum ersten Mal völlig stressfrei (wenn man den fürchterlichen Kater, den ich infolge einer durchzechten Nacht vor der Abreise mit […]

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