Acht Dinge, um die man in Thailand nicht herumkommt, oder: Outtakes aus Chiang Mai

Ich hab’s kapiert. Ihr liebt Listen. Deswegen habe ich einfach mal Zahlen vor meine Zwischenüberschriften geschrieben. Lest heute, was in Chiang Mai sonst noch so ging bzw. acht Dinge, an denen man in Thailand nicht vorbeikommt. Zwei davon sind Tempel. Klar.

1. Mopedfahren

Wir werden beim Mopedfahren von den Bullen rausgezogen. So eine Geschichte hat ja jeder Asienreisende schon mal erzählt, und meistens geht es dabei um die Zahlung von Schmiergeld. So bin ich natürlich darauf gefasst, dass wir gleich für irgendeine imaginäre Verkehrswidrigkeit zahlen müssen und frage mich eigentlich nur noch, wieviel. Doch weit gefehlt: Der Bulle will zwar einen Führerschein sehen, schaut aber dann nichtmal drauf. Statt dessen tippt er auf Andrus Arm: “Nice tattoo! Where from?” Na, immerhin ein Klischee wurde gewahrt (“Nice tattoo, nice tattoo!”). Der Cop lobt noch, dass wir Helme tragen und lässt uns fahren. Andru behauptet bis heute, er wurde auch für seinen Fahrstil gelobt, aber daran kann ich mich wirklich nicht erinnern.

Mopedfahren!

Mopedfahren!

2. Foodstagram

Was ich spät verstanden habe: Essensfotografie ist kein westliches Social Media-Phänomen. Ob in Indonesien, Malaysia, Kambodscha oder nun Thailand – in den meisten Lokalen gibt es Foto-Speisekarten. Essen wie aus dem Bilderbuch! Der nächste Schritt sind eigentlich interaktive Speisekarten. Stell dir vor, du drückst auf ein Bild und deine Bestellung wird nicht nur aufgenommen, sondern das passende Foto gleichzeitig bei Facebook, Instagram und Konsorten gepostet. Schaurig. PS: Meine Geschäftsidee. Lizenz auf Anfrage.

Fried Mama, yo!

Essensfotografie-Fotografe: Fried Mama, yo!

3. Zipline-Tour

Zu einem Touristending lassen wir uns im Zuge unseres Trips dann doch hinreißen: dem Jungle Flight. Quasi die kleine (billigere) Schwester der berühmten Gibbon Experience, einer Zipline-Tour durch den Dschungel. Natürlich buchen wir das erst, nachdem wir alle Flyer von Anbietern ähnlicher Tours studiert und deren Angebote bei Tripadvisor gegengecheckt haben. Wir kaufen ja nicht die Katze im Sack, schließlich gebietet unsere westliche Erziehung das maximale Ausloten von Preis-Leistungs-Verhältnissen. Am Folgetag geht es früh los. Wir werden abgeholt und dümpeln ziemlich lang durch knapp einspurige Dschungelserpentinen. Am Ort der Action, irgendwo mitten in den Bergen, werden wir in Sicherungsgurte gesteckt. Wir fragen den Typ, der uns die Gurte anlegt, ob er uns gleich in den Dschungel führen wird. Er antwortet lachend: “No, no, I am a trainee. You can be happy I am not your guide!” Er hat eine fette Verletzung am Arm. Ich kann mir schon denken, woher, und bin nicht unbedingt beruhigt. Dann treffen wir auf unsere Guides. Auf dem Weg zur ersten Zipline löchere ich einen der Boys mit Fragen. Er erzählt mir, dass er schon sieben Jahre hier schafft, davon fünf als Zipline-Guide. Ah, ein Mann mit Erfahrung! Wenn er täglich zwei Touren macht, hat er auch bestimmt schon ein bisschen was gesehen, überschlage ich im Kopf. Und will wissen, ob schonmal jemand gestorben sei. Er antwortet ganz nüchtern: Yes. Und ernsthaft verletzt? Er schmunzelt und zeigt mir eine deutliche Narbe. Gegen den Baum kann man schon mal knallen, wenn man zu viel Tempo hat und nicht so richtig aufpasst. Hupsi! Und wenn man zu langsam ist und in der Mitte der Zipline hängen bleibt? Ah, auch kein Problem: “Then we cut the zipline”, erklärt er ganz abgeklärt. Ich bin sofort Fan.

Die irischen Mädels, die ebenfalls in unserer Gruppe sind, erzählen derweil, wie sie beim Saufen nachts vom Militär aufgegriffen wurden. Sie haben – wie wir – das Curfew gebrochen und mussten sich von den Soldaten als “naughty, naughty girls” ausschimpfen lassen. “I didn’t think it was so serious”, sagt die eine und meint das Curfew. “Oh, it’s not”, antwortet der Guide. Ich mag seine entspannte Haltung zu Staatsmacht. Die Zipline-Tour ist für eine nicht unbedingt kulturelle Touri-Attraktion sehr schön. Wir rasen an langen, langen Seilen, die zwischen den größten – und hoffentlich stärksten – Bäumen auf den Bergspitzen gespannt sind, den Dschungel herunter und freuen uns über ein irres Panorama. Das einzige, was uns aus dieser beschleunigten Entschleunigung immer wieder herausholt, sind die ewig schnatternden, hart verkaterten Irinnen. Aber jedem sein Klischee, da wollen wir nicht so sein.

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Das Panorama überm Dschungel. Könnte die Schweiz sein!

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Da konnten wir uns noch ausstehen.

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Ein Job für Treehugger

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Panorama, Alter!

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Na klar!

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Rorschach-Test

4. (Nicht im) Tempel

Wir beschließen noch ein Touristending zu machen und machen uns auf zum Wat Phra That Doi Suthep, dem Tempel im Nationalpark direkt vor den Pforten der Stadt. Wir kurven die Bergstrecke hinauf und der Roller röchelt mächtig. Dafür ist die Aussicht bereits ab halber Höhe auf dem Weg zum Tempel exzellent. Um dann zum Tempel hinaufzugelangen, muss man allerdings noch gefühlte Tausend Stufen erklimmern. Bei! Der! Hitze! Kein Wunder, dass sie nebendran eine Seilbahn für faule Europäer gebaut haben. Die hat nur leider schon Feierabend. Also den stairway to heaven. Puh. Und dann, Tschüss Zusammenhang, verliert mein Feuerzeug auch noch Gas. Ist euch mal aufgefallen, wie Feuerzeuggas das Plastikgehäuse zersetzt, wenn es mit Luft in Kontakt kommt? Basischemie, die mir bisher abging. Ich bin in jenem Moment jedoch eher erzürnt als beeinruckt. Oben angekommen gehen wir eine Runde um den Tempel und finden…

das Muttertier

…das Muttertier

Mönchmädchen

…und Mönchmädchen

und Gartenzwerge

…und Gartenzwerge

und dass die Thais die größten Glocken haben.

…und dass die Thais die größten Glocken haben.

Und die meisten.

Und die meisten.

Ich habe an einem Tag schon weniger gelernt. Übrigens ist die Legende um die Gründung des Tempels durchaus interessant. Grob zusammengefasst geht die so: Ein weisser Elefant lief drei Tage, rastete drei Mal, trompetete drei Mal und starb. In den Tempel hinein gehen wir nicht. O-Ton Andru: “Da rein? Da muss ich ja schon wieder meine Schuhe ausziehen, hab ich keinen Bock drauf!” Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Wir haben seit Sukhothai ausgetempelt und bleiben konsequent.

5. Platzregen

Auf dem Rückweg vom Tempel geraten wir in fiesen Platzregen. In Asien regnet es ja nicht einfach. Entweder ist es trocken, oder es gießt aus Eimern. Also, aus der Mutter aller Eimer. Jedenfalls wird die Mutter aller Eimer über uns ausgegossen und überschwemmt in Nullkommanix die Straßen. Überall sehen wir Mopedfahrer am Straßenrand parken und auf besseres Wetter warten. Aber wir sind ja hart, und nur die Harten kommen in den Garten. Also fahren wir weiter, und zwar Farang-Style im T-Shirt und ohne jeglichen Regenschutz, wie die Thais ihn natürlich alle dabeihaben. Und ich lerne: Es geht immer noch schlimmer. Man denkt ja gern, man ist bis auf die Knochen nass, doch erst wenn man es wirklich ist, weiss man, dass man es vorher noch nicht war. T-Shirt und Hose lassen sich auswringen? Na wart mal ab, wie du den Zustand zurückwünschst, wenn erstmal die Unterwäsche patschenass ist. Und wie du jenen Zustand zurück willst, wenn dann auf einmal auch die Schuhe aufgeben und sich das fiese Nass durch die Socken bahnt. Dann ist sowas von Schluss mit “I love Fahrtwind“. (PS: Der Kram trocknet bei der südostasiatischen Hitze natürlich auch nicht. Pfff.)

6. Im Tempel

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Stell dir vor, die Götter rufen zur Tempelparty und alle gehen hin.

Wir brechen mit unserer No-Tempel-Regel, weil: Tempelparty. Ganz Chiang Mai ist da und schiebt sich über das Gelände. Vor dem Tempel werden Blumenkörbe und paarweise Vögel in winzigen aus Bananenblättern geknüpften Käfigen verkauft. Die Blumen dienen als Opfergaben, die Vögel soll man fliegen lassen. For good luck. Bis der Nächste sie fängt und nochmal verkauft, für noch mehr good luck. In den Pagoden türmen sich bereits Berge von Blumen bis unter die Decken.

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Vor dem Tempel boomt der Opfergabenverkauf.

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…obwohl sie sich drinnen schon türmen. Aber: mehr Blemmsche, mehr good luck für alle!

An Verkaufsständen auf dem Tempelareal werden Süßigkeiten, Trockenfleisch und Getränke angeboten.

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Ich nehme einmal den Gabelcocktail, bitte!

Dazwischen immer wieder Stände, an denen Mönche Spenden sammeln: für “good luck” an bestimmten Wochentagen. Für den Kauf von Backsteinen (nicht zum Werfen oder zum Mit-der-Handkante-Zerschmettern, sondern um damit in den Bau weiterer Tempel zu investieren). Für kleine Lose, die man in kleine Plastetempel steckt. Es ist ein richtiges Volksfest, mit einem Unterschied zu denen, die wir so kennen: Trotz beachtlicher Menschenmenge auf kleinem Raum herrscht eine gewisse Unaufgeregtheit.

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Mini-Mönchis verkaufen “Lose”, die die Käufer dann in die Miniaturtempel stecken (hinten im Bild). For! Good! Luck!

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Wer nicht jeden Tag Glück braucht, kann auch auf einzelne Wochentage setzen. Hier: Dienstag.

7. Zigaretten

Die Zigarettenschachteln sind auch in Thailand mit Fotos bedruckt, die vom Rauchen abhalten sollen. Besonders fasziniert bin ich von diesem hier:

Vati bläst Baby Rauch ins Gesicht. Baby weint. Rauch = böse, Konzept kapiert!

Vati bläst Baby Rauch ins Gesicht. Baby weint.

Ganz ernsthaft, wer macht diese Bilder? Wer denkt sich diese Komposition aus? Andru findet später auf dem Rummelplatz die Antwort darauf. Am Gruselkabinett zeigt er auf die Bilder und sagt: “Die haben den gleichen Fotografen wie die Zigarettenschachteln!” Stimmt:

Gruselkabinett 2.0: Draußen und drinnen erwartet einen Gruselphotoshop.

Das moderne Gruselkabinett arbeitet mit Gruselphotoshop.

8. Massage

Darauf verzichte ich ja gern. Aber: Wenn man statt Massage Massacre liest, wird es Zeit weiterzuziehen. Wir verlassen Chiang Mai für Siem Reap, Kambodscha. Bald auch hier.

Mehr Fotos:

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Alle Hähne sind gleich…

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…nur manche sind gleicher.

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Wat Phra That: Ausländermaut.

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Wo sind die Menschen zu den Schuhen denn nur alle hin?

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Stillleben

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Wohnen hier die Toten?

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No short or short skirt? Aber Hauptsache Shirts mit vier Ärmeln!

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Am Straßenrand im Niemandsland findet sich versteckt zwischen Müll und Ameisenstraßen diese edukative Perle.

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Blemmsche

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Noch ein Rorschach-Test

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Detailarbeit!

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