Fear and Loathing in Siem Reap, Teil 1

Die Reise von Chiang Mai im Norden Thailands nach Siem Reap im Westen Kambodschas wird der letzte luxuriöse Trip zwischen zwei Stationen unserer Reise sein. Wir fliegen über Bangkok nach Siem Reap. Am Flughafen in Bangkok starre ich müden Blickes auf die Subway-Speisekarte und lese: “Snake & Cheese”. Ich wundere mich nicht, schließlich bieten die meisten weltweiten Fastfood-Konzerne lokale Menü-Adaptionen an. Es dauert bestimmt eine Minute, bis ich schnalle, dass das Sandwich auch in Asien nur “Steak & Cheese” heißt. Ich schäme mich kurz für meinen unterbewussten Orientalismus, kaufe nebenan einen Kaffee und warte auf den Weiterflug nach Siem Reap.

In meinem Notizbuch folgt dann ein Loch (lies: Hier fehlt, was nach unserer Ankunft geschah, weil ich sehr schnell sehr betrunken war). Und eine Seite mit fast unleserlichem Gekrakel, das mein Überleben auf Khmer sichern soll. Ein Florianscher Schnellkurs bei 1,7 Promille.

Das erste, das ich im Suff auf Khmer lerne, ist wie man Kippen kauft. Klar.

Das Erste, das ich im Suff auf Khmer lerne, ist wie man Kippen kauft. Klar.

Logisch. Nach unserer Ankunft bei Florian, den wir hier besuchen, widmen wir uns erstmal intensiv dem mitgebrachten Vodka, den wir in aller Wiedersehensfreude auch direkt zum Großteil versaufen. Prost!

Danach: nix. Vom Folgekater auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt lassen wir alles etwas ruhiger angehen. Man wird ja nicht jünger, und bei einer Hitze jenseits der 35°C und Luftfeuchtigkeit von gefühlten 56.000% ist die Verkaterung vorsichtig ausgedrückt eher ungewohnt.Wir bleiben erstmal am Pool kleben.

Zum Ankommen nicht das Schlechteste.

Zum Ankommen nicht das Schlechteste.

Dort lernen wir, dass man sich auch ohne Reise nach Pattaya für andere Touristen leicht fremdschämen kann. Hier darf nämlich jeder chillen, der im Hotelrestaurant für vier Dollar Essen bestellt. So kommt es, dass eine Gruppe Touristen aus dem Hostel gegenüber rübermacht und den Tag am Pool verbringt (jeden Tag, wie wir im Laufe der Zeit schmerzlich feststellen werden). Leider artet die Konsumpflicht in stundenlange Diskussionen aus, wieviel was kostet, dann wird bestellt, natürlich mit extra wichtigen Sonderwünschen, dann die Bestellung zurückgenommen und etwas anderes bestellt, dann die Bestellung erneut mit Sonderwünschen modifiziert, dann doch nochmal über den Preis diskutiert, bevor schließlich das Essen kommt und endlich die Diskussion beginnt, was da eigentlich genau berechnet wurde und wer denn jetzt was bezahlt. Dass sie kein Trinkgeld geben, muss ich kaum erwähnen, oder? Die wirklich liebenswerten Angestellten, die mit einem Monatslohn von etwa 80 USD zu den Besserverdienern der Stadt gehören, überspielen ihre Beschämung tapfer. Heute versuchen sich nacheinander vier von ihnen an den Gästen von nebenan. Trotz beachtlicher Mehrsprachigkeit können sie die Belange der Touristen nicht entschlüsseln. Ich wiederum denke an meinen einstigen Mathelehrer, der stets sagte: Wenn Ordnung in Heft, dann Ordnung in Kopf. Hier geht nämlich auch der Umkehrschluss: Wenn Ordnung in Kopf, dann Ordnung in Kommunikation. Bäm.

A propos sortieren. Fast schlimmer als die Mindestverzehrproblematik ist, dass die selbsternannten Traveller nach erfolgter Zahlung der Poolsteuer den ganzen Tag an selbigem liegenbleiben. So überhören wir bei unseren gelegentlichen Pausen am Pool nicht nur ihre wahnsinnig interessanten Reisegeschichten, deren jeweiliges Ziel es ist, die Story des Vorredners zu übertreffen, sondern erhalten auch unfreiwillig Einblicke in ihre hochkomplexen Alltagsschwierigkeiten – und wie sie es schaffen, diese zu meistern. Woah. Gratis Lebensweisheiten, da stehen wir doch alle drauf!

Geteiltes Leid ist doppeltes, deswegen schenke ich euch in diesem Absatz etwas Travellerweisheit. Es gibt ja diese eine Sache, die alle gemeinsam haben: einen fucking Rucksack. Ihr lacht? Unterschätzt das bloß nicht. Den Rucksack ordnungsgemäß zu packen ist wahrlich eine Wissenschaft, die nur geübte Traveller verstehen. Und ganz wie in der Wissenschaft gibt es hier zwar Dialog, aber insgeheim glaubt jeder, schlauer zu sein als der andere. Ein besseres System zu haben. Mehr hineinzukriegen. Besser zu sortieren. Und so weiter. Nachdem sie eine Weile lang den Sinn eines Unterwäschefachs debattiert haben, möchte ich ihre Köpfe allesamt in selbiges stopfen. In das mit der Schmutzwäsche, ist ja klar. Es wird Zeit, sich zu bewegen.

Aber ach, bewegen. Dieses Südostasien ist ja immer noch zweimal heißer als wie man denkt! Bei der kleinsten Bewegung (und das schließt Atmen ein) zerläuft man im eigenen Schweiß. Wähwähwähbähbäh! Wir nehmen es hin. So auch, als wir zum alten Markt laufen und einen dauerhaften, wasserfallartigen Schweißausbruch durchleben. Ein kurzer Stopp auf einen Mangoshake bringt zwar keine Abkühlung, aber immerhin die Erkenntnis, dass wir vom Kaltgetränk aus Mango und Eiswürfeln – entgegen der Reiseführerwarnung – nicht krank werden. Nimm das, Reiseführer! Das ist deswegen ein wenig erstaunlich, weil das Eis hier aus gefrorenem Leitungswasser aus eher so ältlichen Leitungen entsteht und die riesigen Eisblöcke am Straßenrand zerkleinert werden. Mit Werkzeug, aber auch mit Anfassen mit den bloßen Händen und Drauflehnen mit den Arbeitsklamotten. Von aufgewirbeltem Sand, Staub & Co mal ganz zu schweigen.

Eisflexen am Straßenrand. Alternative Methoden beinhalten u. a. Hammer und Spaltwerkzeuge.

Eisflexen am Straßenrand. Alternative Methoden beinhalten u. a. Hammer und Spaltwerkzeuge.

Wir lernen: Entweder sterben im Eis wirklich alle Bakterien oder wir haben schon so viele Shakes drin, dass wir einfach hart resistent gegen alles geworden sind. Superheldenstyle. Damit sind wir gewappnet für eine Woche Fear & Loathing in Siem Reap. Bald auch hier. Teilweise.

 

Hier die ersten Eindrücke aus der Kleinstadt:

batmob

Wie fängt man Touristen? Mit Superheldenmarken der westlichen Welt!

DSCN1485

Der Weg in die Innenstadt: 15 Minuten zu Fuß, die auch echt harmlos aussehen, aber in denen der Körper gefühlte 12 Liter Wasser herausschwitzt. Bäh.

DSCN1488

Späti, Siem Reap Edition: mit integrierter Tankstelle (vorn im Bild)

 

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