Cambodian Catwalk

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider. Naja. Meine nicht. Aber die der Frauen in Kambodscha. Als ich diesen Streetstyle das erste Mal sah, fand ich ihn ein bisschen schräg. Zugegebenermaßen bin ich in Berlin auch schon im Pyjama zum Späti gegangen, aber selbst in der Stadt der Verrückten ist das nicht unbedingt die Regel.

Anders in Kambodscha. Hier begegneten uns in den Städten wie auf dem Land gleichermaßen Frauen in bunten, wild gemusterten Pyjamas. Sie kehrten vor Häusern, verkauften Snacks, trugen Kinder durch die Gegend, tankten ihre Roller oder fuhren damit – sie machten eben ganz normale Alltagssachen. Im Pyjama. Sie schienen das aber gar nicht so wahrzunehmen, anders als zum Beispiel jemand, der im Schland mit Schlafanzugshose in der Schule aufkreuzt, weil er in seiner Verpenntheit vergessen hat, dass er eine Hose anziehen muss (Pyjamas sind Stoff für Alpträume). Ich habe dann kapiert: Der Schlafanzug ist hier tatsächlich eher ein Anzug als etwas zum Schlafen.

Normalerweise ist es mir so richtig herzlich egal, was Leute anziehen, aber es waren einfach so viele. Es musste doch etwas damit auf sich haben! Die omnipräsenten Schlafanzüge im Stadtbild ließen mich nicht mehr los. Ich war fasziniert, musste sie anstarren, mich drüber freuen, sie fotografieren. Alle. Ich machte Drive-by Shootings kambodschanischer Straßencatwalks zu meiner Mission (wie man an der Aufnahmequalität unschwer erkennt).

tanke

An der Tanke…

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…auf dem Markt…

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…auf der Straße…

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…beim Verkauf von Snacks…

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…als lässiger Shopping-Look…

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…als Mamataxi…

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…zum Abhängen…

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…für den Roadtrip…

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…zum Verkauf von Snacks (2)…

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…lässig mit Baby…

tst

…und cool als Bikerbraut. Der Schlafanzug passt zu allem!

Und ich wollte mehr wissen. Ich fragte zunächst Soya, warum die Frauen hier alle Schlafanzüge anhaben. Sie verstand meine Frage nicht. „Die Frauen tragen doch keine Pyjamas!“ Wir waren beide verdattert über das, was die andere gesagt hatte, und das Gespräch verstummte. In Phnom Penh fasste ich meinen Mut nochmal zusammen und fragte Kalyan, was es mit dem Phänomen auf sich habe. Auch sie war zunächst verwirrt, was ich denn von ihr wolle. Jetzt verstand ich: Für die Khmer-Ladies ist das kein Phänomen. Es ist ganz normal. Kalyans deutscher Mann Ben schlug die Brücke zur interkulturellen Verständigung: „Das ist eine normale, luftige Alltagsklamotte. Und sie mögen bunte Stoffe.“ Es kann so einfach sein! Ich bin bezaubert. Für einen unverkrampften Umgang mit Schlafanzügen im Alltag! Ich habe absolutes Verständnis – schließlich würde ich auch gern den ganzen Tag das Faultier tragen. Der Vollständigkeit halber:

slother

Ich trage keinen Nerz. Ich trage Faultier.

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