Yangon: vom Bordstein bis zur Skyline.

An der Bordsteinkante des Flughafens von Yangon warten gefühlt 200 Taxifahrer auf Kundschaft. Ich will eigentlich den Zug nehmen, der angeblich in der Nähe des Flughafens hält, aber das Preis-Bequemlichkeit-Verhältnis und die Argumente meines potenziellen Fahrers überzeugen mich: “Train? No! No train here! Have nice car! Good for tourists! Have air con!” Der Mann macht Sinn, also los.

Im Auto gibt er zu, dass es den Zug durchaus gibt. “But no easy for you to go from airport to city!”, versucht er seine Notlüge von zuvor zu relativieren. “Better take from city to airport!” Ah, Asienlogik. Ich bin angekommen.

Die Fahrt ist ihre paar Dollar wert. “Today public holiday”, erklärt mein Fahrer. “Look, People’s Park.” Für einen kurzen Augenblick erhasche ich einen Blick auf einen kleinen See mit Tretboot-Tieren in allen Farben und ein Schild mit der Aufschrift “Happy World”. Cool. Ich mache eine mentale Notiz, hierher zurückzukommen – natürlich um das Schild zu fotografieren. “You should visit Bogyoke Aung San in the Park! Nice place! Good man!”, unterbricht mein Fahrer meine Gedanken. Na gut, da wurde mein Rückkehrwunsch wohl gerade kulturell unterstützt. Ich frage ihn nach dem General, der maßgeblich an der Befreiung Burmas von der britischen Kolonialherrschaft beteiligt war, jedoch 1947 kurz vor deren Inkrafttreten während einer Kabinettsitzung erschossen wurde. “Good man”, wiederholt er. “His daughter Aung San Suu Kyi good, too. Good for Burmese people!” In meinem Reiseführer steht, man solle hier nicht über Politik reden, und dann fängt der Erste, dem ich begegne, dieses Gespräch an. Ausgezeichnet! Ich beschließe, ab jetzt nur noch den Kartenteil in diesem unnützen Buch zu lesen.

Happy World!

Schilderfotografie: Happy World!

Wir passieren die Shwe Dagon Paya – die Über-Pagode schlechthin, riesig, gülden und weltberühmt. Er erklärt mir, dass ich hier 8 USD Eintritt zahlen werde, während er kostenlos hineindarf. “Because I live here and need to go to Shwe Dagon to pray. I go every week when I have a day with no customers and pray for better business. Next day, many customers come!” Ich beneide ihn kurz und wünschte, ich bekäme auf ein kurzes Gebet hin am Folgetag Neugeschäft, ein reichhaltiges Abendessen oder was auch immer es ist, wofür Next-Day-Delivery-Gebete noch gut sein mögen.

Shwe Dagon, Blick aus der Heckscheibe meines Taxis. Alles andere ist zu klischeehaft.

Shwe Dagon, Blick aus der Heckscheibe meines Taxis. Alles andere ist zu klischeehaft. (Und kommt später.)

Schließlich erreichen wir die die Yaw Min Gyi-Street, auf der sich mein Hotel befindet. Der Fahrer macht ein komisches Geräusch, das ich kaum als den Straßennamen identifiziere, aber das Straßenschild gibt ihm recht. Und wer wäre ich, nicht auf ein Schild zu hören? Wir fahren ein Stück in die Straße hinein, da sehe ich auch schon die eisernen, glänzenden Buchstaben: “York” steht dort majestätisch geschrieben und ich denke mir erleichtert, dass das besser aussieht als im Netz.

York = check. Hotel = nope.

York = check. Hotel = nope.

Leider ist es ein gleichnamiges Autohaus. Mein Fahrer erklärt mir: “Street name used to be York Street. This is why many businesses here named York. Yaw Min Gyi became new street name after Burmese independence.” Verstehe. Mist. Mein Hotel befindet sich ein paar Häuser weiter in einer Gasse. Angeblich, aber erneut gilt: Wer wäre ich, nicht auf ein Schild zu hören?

York = check. Hotel = check. Nur wo?

Jetzt aber. York = check. Hotel = check. Nur wo?

Ich steige aus, wage mich zaghaft vor in die Gasse, in der fleißige Bauarbeiter in der Mittagshitze auf einer Baustelle arbeiten und andere am Gassenrand im Schatten auf dem Boden sitzend essen. Da ist kein Eingang. Ich gucke etwas ratlos um mich, als sich ein alter Mann erbarmt und mit der Hand vage in Richtung eines Eingangs weist, auf dem so etwas wie “Für Unbefugte verboten” steht. Ufff, na gut. Ich verschwinde hinein. Der alte Mann klatscht zwei Mal in die Hände, den Blick nach oben gerichtet, als wolle er Bescheid sagen, dass ein Kunde/ein Opfer kommt. Und tatsächlich: Überwindet man die ersten zwei steilen und ziemlich finsteren Stockwerke des Hauses inmitten der Baustelle, findet man im dritten hinter einer einfachen Holztür das mondäne York Hotel.

Wecome to Yangon, Frau Lotte!

 

Comments
One Response to “Yangon: vom Bordstein bis zur Skyline.”
Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] entscheide mich für das Kontrastprogramm und will als nächstes “Happy World” suchen. “Suchen” ist das Stichwort, denn wie sooft verirre ich mich. Aus […]

    Like



Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

  • Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

%d bloggers like this: