Bagan: Hallo, Weltkulturerbe!

Es ist noch tiefste Nacht, als ich mich fluchend aus dem Bett quäle. Natürlich ist es zu früh für Frühstück (lies: Kaffee). Laune.

Ich schlurfe zur E-Bike-Vermietung und miete mir eins der feschen Elektro-Bikes für 8.000 Kyat, also rund 8 Dollar. Die Regierung Myanmars hat nämlich “wisely” entschieden, so die offizielle Information, dass Touristen nichts mit richtigem Motor fahren fürfen. Die 8.000 Kyat Miete für den Tag sind alles, was ich dort lasse: Der Vermieter will weder meinen Führerschein, noch ein Ausweisdokument sehen oder wenigstens wissen, wo ich übernachte. Er fragt nicht mal nach meinem Namen. Ich schlussfolgere, dass die Locals hier ein Auge auf ihre Touristen haben. Meinen E-Bike-Führerschein mache ich in 30 Sekunden: “Here on, here brake, here go faster” lauten die Instruktionen, während derer der Vermieter auf die verschiedenen Features des Fahrzeugs zeigt. Damit werde ich in die Nacht geschickt. Läuft bei mir.

Mein Haus, mein Auto und ich. Oder so. Mein Mopped im Tageslicht.

Mein Haus, mein Auto und ich, oder auch: Mein PS im Tageslicht.

Während ich das E-Bike auf den finsteren Schotterpisten zwischen Sandrillen und Schlaglöchern kennenlerne, wird es langsam Tag. Jetzt schnell einen Tempel finden, auf dem ich den blöden Sonnenaufgang anschauen kann! Panisch halte ich am nächstgrößten Tempel, haste hinein und laufe einmal im Kreis um alle vier Buddhastatuen im Inneren, nur um wieder am Ausgang herauszukommen. Da ist keine Treppe. Also weiter. Ich sprinte hinaus und laufe zum gegenüberliegenden Tempel. Ist ja nicht so, als gäbe es hier nur einen, und wählerisch bin ich schon aus Zeitnot nicht.

Ein kleines Mädchen schaut von oben über die Tempelmauer hinunter und fragt: “Wanna come up?” Sie weiß natürlich, was die Touristen um diese Zeit hier machen. “Yes”, rufe ich ihr zu. “Wait, I come get you”, sagt sie, dann verschwindet ihr Kopf. Kurz darauf erscheint sie vor mir und führt mich im Tempelinneren eine finstere, enge Steintreppe voller Spinnennetze hoch, die ich allein kaum gefunden hätte. Auf der ersten Plattform angekommen deutet sie auf die Außenwand. “Now you climb up here”, sagt sie. Bitte was, ich soll an der Außenwand hochklettern? HALLO, WELTKULTURERBE? Aber was will ich urteilen, so lang man auf den alten Gemäuern noch herumklettern kann/darf. Wie ein Äffchen schwinge ich mich lässig auf den nächsthöheren Mauervorsprung (heißt: Ich ziehe mühsam mein ganzes Körpergewicht mit meinen müden Armen hoch und verheddere mich dabei mit den Beinen in meinem Rock.) Die Aussicht ist tatsächlich noch besser von hier oben. Die Kleine folgt mir und setzt sich neben mich. Ich frage sie erstmal aus. “Si Sin”, antwortet sie schüchtern, als ich ihren Namen wissen will. “I am 13 years old and go to school here in Bagan.” Ich lobe ihr Englisch und frage: “And today, no school?” – “No, today free day!” Ich würde an meinem freien Tag ja nicht um 5.30 Uhr auf dem Tempel hocken. Oh, warte, ja. Touché. Sie bleibt mit mir und den anderen Langnasen, die sie nach mir noch hinauflotst, auf dem Tempel sitzen, bis die Sonne aufgegangen ist. Und dann ist sie auf einmal weg. Si-Sin-Salabim. Hier so Sonnenaufgang:

Bagan im Morgentau (übrigens die einzig erträgliche Tageszeit, temperaturmäßig)

Bagan im Morgentau (übrigens temperaturmäßig die einzig erträgliche Tageszeit)

Sonnenaufgang. Gar nicht mal so schlecht!

Sonnenaufgang. Gar nicht mal so schlecht!

Und noch eins, weil's so romantisch ist. Die Fahrt in einem der Heißluftballons kostet übrigens schmale 200 Dollar. FYI: Es gibt 12 Ballons, in jeden passen 10 Leute.

Und noch eins, weil’s so romantisch ist. Das günstigste Angebot für einen Trip in einem der Heißluftballons kostet übrigens schmale 320 US-Dollar (und aufwährts). FYI: Es gibt 12 Ballons, in jeden passen 10 Leute. Unternehmensgründung, anyone?

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Das war jetzt auch das letzte Bild davon, promise.

Nach abgehaktem Sonnenaufgang klettere ich auf Bodenhaftungslevel herab und begebe mich auf die große Tempeltour. Bereits bei meinem ersten Stopp werde ich von einer Einheimischen angesprochen: “Can I take picture?” W00t? Von mir? Während ich noch mit drei Fragezeichen über dem Kopf herumstehe, ist das Foto bereits im Kasten. Ein Engländer läuft vorbei und sieht die Szene. Lachend ruft er mir zu: “Thanks for taking it for the team!” Den Spruch werde ich erst im Laufe des Tages in Gänze verstehen, nachdem zahlreiche Locals in anderen Tempeln die Fotofrage ebenfalls immer wieder stellen. Ich wage die These, dass es sich hierbei möglicherweise um das Payback der Einheimischen dafür handelt, dass die Touristen sonst immer sie fotografieren. Ich füge mich und lasse ab sofort die Fotografierenden auch ein Bild mit meiner Kamera machen, so dass immerhin ein schönes Familienalbum zusammenkommt. Hier, eine Auswahl meiner neuen Freunde:

Vati sagt, der Bub muss mit mir aufs Bild.

Vati sagt, der Bub muss mit mir aufs Bild.

Die Schwester sagt, Mutti und Kind müssen mit mir aufs Bild.

Die Schwester sagt, Mutti und Töchti müssen mit mir aufs Bild. Die Beiden sind übrigens gar nicht grün im Gesicht, sondern tragen Thanaka, das traditionelle birmanische “Make-Up” gegen UV und Alter. Ich dagegen bin einfach rot, weil ich schwitze wie ein Schwein.

Vati sagt, seine Töchter müssen mit mir aufs Bild.

Mutti sagt, ihre Töchter müssen mit mir aufs Bild.

Vati sagt, seine ganze Familie muss mit mir aufs Bild.

Vati sagt, seine ganze Familie muss mit mir aufs Bild.

Hier wurde ich astrein übers Ohr gehauen: 15 Minuten lang habe ich mit jedem einzelnen Abgebildeten posiert, um dann ein Gruppenbild zu erhalten. Immerhin: Das spart euch langes Scrollen.

Und hier, tadaa, wurde ich astrein übers Ohr gehauen: 15 Minuten lang habe ich mit jeder einzelnen der hier abgebildeten Personen posiert, um dann von ihnen ein Gruppenbild zu erhalten. Immerhin: Das spart euch langes Scrollen.

Stories aus Bagan und den Tempeln, die ihr nun schon im Hintergrund gesehen habt, folgen. Inklusive vieler, vieler verschiedener Bilder von Steinen. Und astreinen TV-Tipps meiner neuen Freunde (Ihr wisst ja, das amerikanische/britische Fernsehen ist uns Lichtjahre voraus). Seid gespannt!

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One Response to “Bagan: Hallo, Weltkulturerbe!”
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  1. […] denn die Sonne droht mit Untergang. Wir müssen weiter, schnellschnell irgendwo raufklettern, kennen wir ja schon. Als nicht mehr viel zu retten scheint, halten wir an einem random Straßenrand und laufen ins […]

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