Bagan – Thandwe, oder: Leitfaden zur Airline-Auswahl

Ich verlasse Bagan. Mit einer Propellermaschine Typ ATR 72-500 fliege ich über Heho (gesprochen klingt es wie “Hey ho!”) nach Thandwe. In He(y)ho wird das Flugzeug neu betankt – während alle drinsitzen. Sicherheitsmaßnahme: Gurte öffnen. Puh, jetzt fühl ich mich sicher. In meinem Notizbuch steht unterstrichen die Frage: Ob gleich das Flugzeug explodiert?

In Heho wird während des Stopps der Flieger betankt. Ich erinnere mich an die Tanke auf Bali, wo wir bei laufendem Motor den Mietwagen betankt bekamen.

In Heho wird während des Stopps der Flieger betankt. Ich erinnere mich an die Tanke auf Bali, wo wir bei laufendem Motor den Mietwagen betankt bekamen.

Aber wir heben wieder ab. Typisch für Propellermaschinen schwankt das Flugzeug dabei nach links und rechts, bevor es sich auf Flughöhe langsam einpendelt. Ich weiß zum Glück, dass wir nicht sterben werden, denn ich habe die lokale Airline einem eigens entwickelten, superharten Assessment-Center unterzogen. Und zwar so:

1. Ich habe alle Airlines recherchiert, die innerhalb Myanmars fliegen.
2. Ich habe für einen ersten Eindruck deren Websites sowie ihre Einträge auf Wikipedia studiert.
3. Ich habe dann die Größe der Flotten, ihr Durchschnittsalter, ihre Flugzeugtypen und die Flugpläne analysiert.

Nach Abarbeiten der Punkte 1-3 hat man in der Regel schon eine ganz gute Idee, mit welcher Airline man diese crazy Inlandsfliegerei, vor der das Auswärtige Amt warnt, am ehesten überleben kann. Dann macht man die Probe (kennen wir noch von Mathe, hat schon damals geholfen):

4. Google-Bildersuche der Airlines. Siehst du Bilder von Wracks und brennenden Flugzeugen? Streich die Airline von der Liste. (Für Nachahmer empfehle ich die Eingabe von “Air Bagan” in die Google-Suchmaske.)
5. Recherchiere die Unfallstatistiken.

Leider blieb nach Abarbeiten aller Airlines bis Punkt 5 blieb nicht mehr viel übrig – außer Air Mandalay. Mit einem Durchschnittsalter von 18 Jahren hat diese Airline zwar eine der ältesten Flotten der Welt, dabei jedoch eine sagenhafte Statistik: Bis 2011 (eventuell sogar bis heute, die Recherche war etwas zäh) war Air Mandalay ohne Unfall unterwegs – als einzige nationale Airline! Das klang fantastisch, doch leider musste die Airline kurz vor meinem Trip nach Myanmar den Betrieb temporär einstellen, weil sie ihre Leasingraten für zwei ihrer drei Flugzeuge nicht bezahlt hatte. Whoopsi.

Mit dem Wegfall von Air Mandalay musste ich das Streichkriterium „keine Unfälle“ auf „keine Toten oder Schwerverletzten“ auflockern. Bonuspunkte gab es, wenn bei den Unfällen niemand an Bord getötet wurde, also z. B. wenn das Flugzeug auf einen Mopedfahrer abgestürzt ist. Als potenzieller Insasse muss man da einen Tod sterben.

Immerhin haben zwei Airlines den Test schlussendlich bestanden:

Die erste hat 2014 mit dem Fliegen begonnen – bislang unfallfrei, aber als alter Wissenschaftler weiß ich: Das muss man im Zweifel hochrechnen und sich an der Quote aller Airlines orientieren. Die Flugzeugtypen sind nämlich bei allen Airlines ähnlich und die Piloten werden auch nicht an Bäumen wachsen, sondern eher von einer Kaputtnik-Airline ggf. zum neuen Unternehmen wechseln. Leider ist das Streckennetz dieses Unternehmens sehr überschaubar und für mich ist nix dabei.

Die zweite Airline operiert bereits seit 2011. Das ist doch direkt vertrauenswürdig! Der Haken: In den vier Jahren seit Aufnahme des Flugbetriebs hat Air KBZ bereits zwei Unfälle gebaut. Allerdings passierten beide am Boden, denn das Flugzeit war beim Start nicht abgehoben, sondern nur über die Startbahn hinausgefahren. Achtung, Schenkelklopfer: Air KBZ kriegt manchmal das Ding nicht hoch! Auch schön: Das Logo der Airline sieht von Weitem aus, als würden zwei Hexen einen Besen reiten. Wir wollen fair sein, dafür gibt es ne Runde Bonuspunkte. Punktabzüge gibt es derweil in der Sonderkategorie Politik für Verbindungen zur Militärjunta. Aber was will man machen.

Air KBZ: Von Weitem zwei Hexen auf einem Besen, aus der Nähe auch nicht schlechter.

Air KBZ: Von Weitem zwei Hexen auf einem Besen, aus der Nähe auch nicht schlechter.

Eine dritte Airline wollte ich eigentlich allein wegen des Claims in die Liste aufnehmen: „You’re safe with us“. Aber Assessment ist Assessment.

So sitze ich nun im Juntaflugzeug und nähere mich Thandwe. Der Landeanflug gleicht einer Abwärtsfahrt im Aufzug, wenn man von Stockwerk zu Stockwerk fährt, nur dass wir von Luftloch zu Luftloch fallen. It’s not over until it’s over! Ein dumpfer Schlag reisst mich aus meinen Gedanken. Geil, Landung. Ich steige aus dem Flugzeug, laufe über das Rollfeld und stehe prompt in der Ankunfthalle. Nix mit Gepäck holen. Um mich herum kleine Stände der Hotels im Ort, die versuchen, sich gegenseitig die Ankömmlinge streitig zu machen. Ein Typ, der aussieht wie 16, hält ein Schild mit meinem Vornamen darauf hoch. Surreal. Ich tapse, immernoch benommen von der Landung, auf ihn zu. Er schiebt mich aus dem Flughafen raus, ich zeige am Ausgang noch meinen Pass und werde in seinen Van bugsiert. Ja, aber, Koffer?

„I get suitcase for you.“
„But I can get it, no problem!“
„No, I go get.“

Ich fühl mich oll, lasse ihn aber gewähren. Nach fünf Minuten kommt er wieder:

„Which color is your suitcase?“ Ich muss grinsen.
„Black, like all the others. Sure I cannot go and get it myself?“
„No, I go get.“

Ich schaue mich um und verstehe: Die anderen Ankömmlinge sitzen ebenfalls in ihren jeweiligen Abholfahrzeugen, während deren Fahrer ihre Koffer einsammeln. Bestimmt ist das nett gemeint, Service und so, aber ich fühle mich eingeschränkt. Und bin jetzt erst recht gespannt, was mich in Ngapali Beach erwartet.

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